Von allem ein bisschen zu viel
Puh, was soll ich sagen. Also…„Real Americans“ von Rachel Khong ist irgendwie eine spannende Geschichte und lässt sich definitiv gut lesen, aber abgeholt hat es mich leider nicht so, wie ich es erwartet hatte.
Das ganze Buch kreist so ein wenig um die Frage, wie viel in unserem Leben wirkliche Entscheidung ist, und wieviel letzten Endes auf Glück, Herkunft und Zufall basiert?
Die Beantwortung dieser zentralen Frage ist als dreiteiliges, generationenübergreifendes Familienepos angelegt: 1999 in New York begleiten wir Lily Chen, Tochter chinesischer Einwanderer, die sich als unbezahlte Praktikantin durchs Leben schlägt und sich in Matthew verliebt, den Erben eines Pharma-Vermögens. Später, 2021, sucht ihr Sohn Nick über einen DNA-Test nach seinem abwesenden Vater und stößt dabei auf Wahrheiten, die seine Herkunft neu rahmen. Parallel dazu greift der Roman eine Linie auf, in der Genforschung und die Frage nach genetischer „Optimierung“ bzw. Eingriffen in Lebensverläufe eine zentrale Rolle spielen. Hier wird dann zusätzlich noch eine ethische Debatte eröffnet.
Der Blick darauf, wie – besonders in den USA – “Fortune” oft mit Geld, Klasse und Zufall verheiratet ist, und wie brutal ungerecht diese Lotterie wirken kann, wenn du nicht auf der richtigen Seite startest, ist wirklich sehr scharf und gut. Was ich auch mochte ist, dass das Thema Identität hier nicht als Schablone auf die Erzählung gelegt wird, sondern als etwas gebaut ist, das sich permanent reibt: Zugehörigkeit als Aushandlung, als Zwischenraum, als etwas, das man nicht einmal festlegt und dann ist es gut.
Oft hatte ich aber das Gefühl, dass der Roman zu viel in zu kurzer Zeit will: Migration, Klasse, Rassismus, Familienpflichten, chinesische Geschichte, Bioethik. Wichtig ist sicherlich alles für das Gesamtbild, aber in der Dichte verliert dann eben auch alles ein wenig an Erzähltiefe. Das war wahrscheinlich der Punkt, an dem ich ein klein wenig abgesprungen bin. Viele Fäden werden aufgenommen, aber nicht alle wurden verknotet und somit ist das Buch manchmal irgendwie oberflächlich, obwohl das Thema - wenn man es ggf. in mehrere Bände verpackt hätte - sicherlich für eine wahnsinnig große Geschichte mehr als ausreichend wäre. Aber so ist es zu komprimiert.
Über den langen Erzählbogen des Buches hinweg hatte ich phasenweise das Gefühl, dass manche Entwicklungen etwas zu vorhersehbar wurden und Figuren punktuell mehr die Idee der Autorin tragen, als dass sie sich so zusagen in diese Idee verwandelt hätten.
Unterm Strich ist „Real Americans“ ein durchaus okay lesbarer Roman, der wirklich klug über Geld, Herkunft, Zugehörigkeit und diese ganze Landeslotterie nachdenkt. Ich bin leider nicht richtig tief in die Geschichte eingetaucht und habe eben einfach nur gelesen - was eher selten vorkommt. Ansonsten finde ich das Buch solide und für Menschen genau richtig, die persönliche Geschichten lieben, die mit gesellschaftlichen Fragen und philosophischen Exkursen gewürzt sind.
Das ganze Buch kreist so ein wenig um die Frage, wie viel in unserem Leben wirkliche Entscheidung ist, und wieviel letzten Endes auf Glück, Herkunft und Zufall basiert?
Die Beantwortung dieser zentralen Frage ist als dreiteiliges, generationenübergreifendes Familienepos angelegt: 1999 in New York begleiten wir Lily Chen, Tochter chinesischer Einwanderer, die sich als unbezahlte Praktikantin durchs Leben schlägt und sich in Matthew verliebt, den Erben eines Pharma-Vermögens. Später, 2021, sucht ihr Sohn Nick über einen DNA-Test nach seinem abwesenden Vater und stößt dabei auf Wahrheiten, die seine Herkunft neu rahmen. Parallel dazu greift der Roman eine Linie auf, in der Genforschung und die Frage nach genetischer „Optimierung“ bzw. Eingriffen in Lebensverläufe eine zentrale Rolle spielen. Hier wird dann zusätzlich noch eine ethische Debatte eröffnet.
Der Blick darauf, wie – besonders in den USA – “Fortune” oft mit Geld, Klasse und Zufall verheiratet ist, und wie brutal ungerecht diese Lotterie wirken kann, wenn du nicht auf der richtigen Seite startest, ist wirklich sehr scharf und gut. Was ich auch mochte ist, dass das Thema Identität hier nicht als Schablone auf die Erzählung gelegt wird, sondern als etwas gebaut ist, das sich permanent reibt: Zugehörigkeit als Aushandlung, als Zwischenraum, als etwas, das man nicht einmal festlegt und dann ist es gut.
Oft hatte ich aber das Gefühl, dass der Roman zu viel in zu kurzer Zeit will: Migration, Klasse, Rassismus, Familienpflichten, chinesische Geschichte, Bioethik. Wichtig ist sicherlich alles für das Gesamtbild, aber in der Dichte verliert dann eben auch alles ein wenig an Erzähltiefe. Das war wahrscheinlich der Punkt, an dem ich ein klein wenig abgesprungen bin. Viele Fäden werden aufgenommen, aber nicht alle wurden verknotet und somit ist das Buch manchmal irgendwie oberflächlich, obwohl das Thema - wenn man es ggf. in mehrere Bände verpackt hätte - sicherlich für eine wahnsinnig große Geschichte mehr als ausreichend wäre. Aber so ist es zu komprimiert.
Über den langen Erzählbogen des Buches hinweg hatte ich phasenweise das Gefühl, dass manche Entwicklungen etwas zu vorhersehbar wurden und Figuren punktuell mehr die Idee der Autorin tragen, als dass sie sich so zusagen in diese Idee verwandelt hätten.
Unterm Strich ist „Real Americans“ ein durchaus okay lesbarer Roman, der wirklich klug über Geld, Herkunft, Zugehörigkeit und diese ganze Landeslotterie nachdenkt. Ich bin leider nicht richtig tief in die Geschichte eingetaucht und habe eben einfach nur gelesen - was eher selten vorkommt. Ansonsten finde ich das Buch solide und für Menschen genau richtig, die persönliche Geschichten lieben, die mit gesellschaftlichen Fragen und philosophischen Exkursen gewürzt sind.