Wer bin ich?

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rebeccawinter Avatar

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Der umfangreiche Roman von Rachel Khong wurde vom Verlag Kiepenheuer & Witsch als gebundenes Buch mit Lesebändchen verlegt. Der Deckel des Hardcovers zeigt eine eingeprägte Auster, die auch auf dem Schutzumschlag dargestellt ist. Die Auster steht für Reichtum, für Liebe (nach der Göttin Aphrodite), aber auch für Verschlossenheit, die Fähigkeit Geheimnisse zu bewahren. Darüber hinaus werden an Austern verschiedene gentechnische Forschungen betrieben, da sie einen umfangreichen Satz an Genen besitzt. Damit ist das gewählte Symbol der Auster eine hervorragende Wahl für das Cover.
Der Familienroman wird aus der Sicht von Großmutter Mai, Mutter Lily und Sohn Nick erzählt und umfasst hierbei eine Zeitspanne von 1999 bis 2030, wobei durch die Erinnerungen der Großmutter ein Rückblick in das China der 60er Jahre während der Kulturevolution Maos hinzukommt.
Themenmittelpunkt ist die Frage, welche Faktoren den Menschen bestimmen, was uns von den Eltern vererbt wird und vor allem, wie weit in die natürlichen Gegebenheiten eingegriffen werden darf.
Verwoben in die Liebesgeschichten der Generationen, den Zerwürfnissen, Erwartungen und Enttäuschungen werden diese Fragen aufgeworfen und versucht zu beantworten. Letzteres gelingt nicht in einer generellen Aussage, sondern bleibt personenbezogen.
Mir waren manche Entscheidungen nicht schlüssig und nachvollziehbar. Die Erklärungen blieben oberflächlich und diffus. Auch die Darstellung der materiellen Verhältnisse war mir zu dominant und teilweise überzogen. Sehr gefallen hat mir der Rückblick auf die chinesische Geschichte und die gelungene Schilderung der beginnenden Liebesbeziehung zwischen Lily und Matthew.
Das Buch liest sich leicht und flott trotz der 521 Seiten durch seinen eingängigen Schreibstil, der angenehmerweise auf Jargon und Vulgarität verzichtet.
Wer nichts Tiefschürfendes erwartet, findet bei diesem Roman eine angenehme Unterhaltung.