Wie stark prägen Familie, Herkunft und gesellschaftliche Bedingungen unser Leben?

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
vanessa_91 Avatar

Von

Meine Meinung

"Real Americans" hat mich in seiner Mischung aus Familiengeschichte, Identitätssuche, Forschung und gesellschaftlichen Fragen sofort gepackt. Besonders eindrücklich fand ich, wie der Roman über drei Generationen hinweg zeigt, wie Herkunft, Chancen, Entscheidungen, Erwartungen das Leben prägen.

Die Handlung begleitet eine chinesisch-amerikanische Familie über mehrere Generationen. Zuerst steht Lily im Mittelpunkt, die Ende der 1990er-Jahre in New York lebt und sich in Matthew verliebt, der aus einer sehr wohlhabenden Familie stammt. Schon hier wird deutlich, wie stark soziale Unterschiede das Leben und Beziehungen beeinflussen können.Später verschiebt sich die Perspektive auf ihren Sohn Nick, der äußerlich seinem weißen Vater ähnelt und sich deshalb besonders stark fragt, wo er eigentlich hingehört und schließlich auf die Vergangenheit von Lilys Mutter May. Durch diese verschiedenen Perspektiven entsteht ein größerer zeitlicher Rahmen, der zeigt, wie sehr die Geschichte und vor allem die Entscheidungen einer Familie das Leben der nächsten Generation prägt.

Die Themen Herkunft, Klasse und genetische Selbstbestimmung haben mich dabei am stärksten beschäftigt, weil der Roman immer wieder die Frage stellt, wie viel unseres Lebens durch Gene (vs. Erziehung / Umfeld) bestimmt wird und wie viel wir selbst beeinflussen können. Lily selbst empfand ich als glaubwürdig zerrissen zwischen familiären Erwartungen und ihrem eigenen Weg, und gerade diese Spannung hat den Roman für mich lebendig gemacht.

Ich fand die ersten zwei "Teile" des Buches sehr stark - ich war in den Geschichten gefangen, regelrecht gefesselt - den letzten Teil etwas schwächer.

Insgesamt bleibt es für mich ein berührendes filmreifes Werk, das mit sehr gut unterhalten konnte.


Über die Autorin

Rachel Khongs Texte erschienen u. a. in der New York Times Book Review, The Guardian, The Cut und The Paris Review. 2018 gründete sie in San Francisco The Ruby, einen Arbeits- und Veranstaltungsort für Autorinnen und nicht-binäre Künstler:innen. Rachel Khong lebt in Kalifornien. (Quelle KiWi)