Zwischen Herkunft, Geheimnissen und Identität
Aktuell kommt man an Real Americans von Rachel Khong kaum vorbei. Doch ist der Hype gerechtfertigt? Für mich: ja – und gleichzeitig nicht ganz uneingeschränkt.
Die Geschichte ist in drei Teile gegliedert, die jeweils fast für sich stehen könnten und über drei Generationen hinweg eine komplexe Familiengeschichte erzählen. Im ersten Teil lernen wir Lily kennen, die Tochter chinesischer Einwanderer, die kaum Bezug zu ihren kulturellen Wurzeln hat. Sie spricht nur Englisch, kennt ihre Familiengeschichte in China kaum und bewegt sich scheinbar mühelos in einer amerikanischen Lebenswelt. Als unbezahlte Praktikantin verliebt sie sich in Matthew, den Sohn einer wohlhabenden Unternehmerfamilie. Anfangs wirkt alles leicht und unbeschwert, doch schnell treten Klassenunterschiede, unausgesprochene Erwartungen und soziale Spannungen in den Vordergrund. Ein Familiengeheimnis kommt ans Licht, Lily verschwindet mit dem gemeinsamen Sohn Nick.
Im zweiten Teil steht Nick im Mittelpunkt, der als Teenager beginnt, Fragen nach seinem Vater und seiner Herkunft zu stellen. Auf der Suche nach Identität gerät er immer tiefer in die verborgenen Schichten der eigenen Familiengeschichte. Der dritte Teil führt schließlich zurück zur Großmutter May, der Mutter von Lily. Hier werden die historischen und biografischen Zusammenhänge sichtbar, die die familiären Dynamiken überhaupt erst entstehen lassen, und viele unausgesprochene Geheimnisse fügen sich langsam zu einem Gesamtbild.
Der Roman verhandelt eine Vielzahl großer Themen: Liebe, Herkunft, Migration, Genforschung, Klassenunterschiede, die Geschichte Chinas und die bis heute wirksamen Formen subtilen Rassismus. Daraus entsteht eine eindrückliche, teilweise bedrückende generationsübergreifende Geschichte über Identität, Zugehörigkeit und die Suche nach Glück. Gleichzeitig wirkt das Buch stellenweise etwas überfrachtet, und durch die Vielzahl an Figuren und Themen ist es nicht immer leicht, den Überblick zu behalten.
Ich habe das Hörbuch, erschienen im Argon Verlag, gehört und war besonders von den unterschiedlichen Erzählerstimmen begeistert, die jedem Teil eine eigene Atmosphäre verleihen und perfekt zu den dargestellten Figuren passen. Gerade der Wechsel der Stimmen im dritten Teil hat mir sehr gut gefallen und die Struktur des Romans zusätzlich unterstützt.
Insgesamt ein sehr starkes Hörbuch mit großer thematischer Tiefe, das stellenweise fast zu viel auf einmal will – und dessen Stoff durchaus auch für mehrere Bücher gereicht hätte. Dennoch: eine intensive, berührende und lange nachwirkende Lektüre.
Die Geschichte ist in drei Teile gegliedert, die jeweils fast für sich stehen könnten und über drei Generationen hinweg eine komplexe Familiengeschichte erzählen. Im ersten Teil lernen wir Lily kennen, die Tochter chinesischer Einwanderer, die kaum Bezug zu ihren kulturellen Wurzeln hat. Sie spricht nur Englisch, kennt ihre Familiengeschichte in China kaum und bewegt sich scheinbar mühelos in einer amerikanischen Lebenswelt. Als unbezahlte Praktikantin verliebt sie sich in Matthew, den Sohn einer wohlhabenden Unternehmerfamilie. Anfangs wirkt alles leicht und unbeschwert, doch schnell treten Klassenunterschiede, unausgesprochene Erwartungen und soziale Spannungen in den Vordergrund. Ein Familiengeheimnis kommt ans Licht, Lily verschwindet mit dem gemeinsamen Sohn Nick.
Im zweiten Teil steht Nick im Mittelpunkt, der als Teenager beginnt, Fragen nach seinem Vater und seiner Herkunft zu stellen. Auf der Suche nach Identität gerät er immer tiefer in die verborgenen Schichten der eigenen Familiengeschichte. Der dritte Teil führt schließlich zurück zur Großmutter May, der Mutter von Lily. Hier werden die historischen und biografischen Zusammenhänge sichtbar, die die familiären Dynamiken überhaupt erst entstehen lassen, und viele unausgesprochene Geheimnisse fügen sich langsam zu einem Gesamtbild.
Der Roman verhandelt eine Vielzahl großer Themen: Liebe, Herkunft, Migration, Genforschung, Klassenunterschiede, die Geschichte Chinas und die bis heute wirksamen Formen subtilen Rassismus. Daraus entsteht eine eindrückliche, teilweise bedrückende generationsübergreifende Geschichte über Identität, Zugehörigkeit und die Suche nach Glück. Gleichzeitig wirkt das Buch stellenweise etwas überfrachtet, und durch die Vielzahl an Figuren und Themen ist es nicht immer leicht, den Überblick zu behalten.
Ich habe das Hörbuch, erschienen im Argon Verlag, gehört und war besonders von den unterschiedlichen Erzählerstimmen begeistert, die jedem Teil eine eigene Atmosphäre verleihen und perfekt zu den dargestellten Figuren passen. Gerade der Wechsel der Stimmen im dritten Teil hat mir sehr gut gefallen und die Struktur des Romans zusätzlich unterstützt.
Insgesamt ein sehr starkes Hörbuch mit großer thematischer Tiefe, das stellenweise fast zu viel auf einmal will – und dessen Stoff durchaus auch für mehrere Bücher gereicht hätte. Dennoch: eine intensive, berührende und lange nachwirkende Lektüre.