Interessante Geschichte!

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chiara-maria Avatar

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Ich liebe die Farben von dem Cover es ist eine Mischung aus Mitternachtsblau und giftigem Violet gepaart mit einem gefährlichem dunklen Rot. Dann noch diese wunderschöne alte Brücke in diesem Bogen der aussieht wie ein Spiegel, was ja total zur Geschichte passt.
Der Schreibstil hat mich direkt abgeholt. Schon der erste Satz mit der Frage, ob die Kunden mit Geld oder mit ihrer Seele bezahlen, hat bei mir sofort dieses „Okay, das könnte interessant werden“-Gefühl ausgelöst. Die Geschichte liest sich sehr flüssig, gleichzeitig wird Blackbridge so bildlich beschrieben, dass ich schnell dieses düstere, dreckige und leicht unheimliche Bild der Stadt im Kopf hatte. Besonders gut gefällt mir, dass das Worldbuilding nicht einfach erklärt wird, sondern vieles nebenbei durch Eda und ihren Alltag eingeführt wird.
Auch der Spannungsaufbau funktioniert für mich bisher richtig gut. Zuerst ist da „nur“ dieser geheimnisvolle Kunde, dann erfährt man vom Spiegel, der eigentlich eine Pforte ist, und plötzlich steht mit MrNight tatsächlich ein Dämon im Keller eines Antiquitätenladens. Gleichzeitig wird relativ schnell klar, dass hinter diesen Pakten viel mehr steckt: MrNight erfüllt Wünsche zwar, aber offenbar immer auf eine Art, bei der man sehr genau hätte überlegen sollen, was man sich eigentlich wünscht. Gerade die Beispiele mit dem Gold und der Frau, deren Mann anschließend nur noch sie sehen konnte, fand ich herrlich grausam.
Eda gefällt mir als Hauptfigur bisher besonders gut, weil sie ziemlich widersprüchlich ist. Sie wirkt abgeklärt, neugierig, manchmal fast schon zynisch und verurteilt die Menschen dafür, dass sie überhaupt Pakte mit Dämonen eingehen. Gleichzeitig hilft sie genau dabei, weil sie und ihre Brüder keine andere Wahl haben. Dass sie bei manchen Paktlingen trotzdem Mitleid empfindet, zeigt aber auch schnell, dass hinter ihrer harten Fassade deutlich mehr steckt. Besonders spannend finde ich ihre Einstellung zu MrNight: Sie fürchtet ihn, hasst ihn aber nicht einmal wirklich – ihre Wut richtet sich viel stärker gegen ihren eigenen Vater.
Ben und Lawrie mag ich ebenfalls schon sehr. Bei Ben merkt man sofort diesen starken Beschützerinstinkt gegenüber Eda, während Lawrie für mich bisher etwas lockerer und verspielter wirkt. Gleichzeitig haben die drei eine gemeinsame Vergangenheit, gehen aber völlig unterschiedlich damit um. Besonders beim Thema ihres Vaters wird das deutlich: Während Lawrie noch Verständnis für ihn aufbringen kann, sieht Eda eigentlich nur den Mann, der aus Trauer einen Pakt über tausend Lebensjahre geschlossen und seine eigenen Kinder damit in diese Schuld hineingezogen hat. Uff.
Und MrNight? Bei dem bin ich jetzt schon neugierig. Er ist charmant, bedrohlich und wirkt gleichzeitig so, als würde er sich bei all dem köstlich amüsieren. Vor allem gefällt mir, dass er bisher nicht einfach als „der böse Dämon“ dargestellt wird. Eigentlich hält er sich an seine Pakte – die Menschen sind diejenigen, die aus Gier, Liebe, Rache oder Verzweiflung zu ihm kommen. Dadurch verschwimmt für mich schon jetzt ziemlich schön die Grenze zwischen Gut und Böse.
Von der Geschichte erwarte ich deshalb vor allem, dass dieser letzte fehlende Pakt gewaltig schiefgehen wird. Die Shaws brauchen nur noch zehn Lebensjahre, dann wäre die Schuld ihres Vaters nach zwei Jahrzehnten endlich beglichen – das schreit doch geradezu danach, dass sie ihre Freiheit eben nicht so einfach bekommen. Gleichzeitig werden sie von Severin Lich beobachtet, der offenbar hinter der Pforte her ist, und ausgerechnet jetzt kündigt der Orden der Klinge an, verstärkt gegen dämonische Pakte und die noch existierenden Pforten vorzugehen.
Ich würde auf jeden Fall weiterlesen, weil mich vor allem interessiert, was beim letzten Pakt passiert, welche Rolle MrNight dabei noch spielen wird und ob Eda tatsächlich die Freiheit bekommt, nach der sie sich so sehr sehnt. Außerdem habe ich das Gefühl, dass hinter MrNight, dem Pakt ihres Vaters und vielleicht sogar Edas Familie noch einiges steckt, was die Leseprobe bisher bewusst zurückhält. Und genau solche Geschichten mag ich: Man bekommt schon genug Antworten, um die Welt zu verstehen, aber gleichzeitig entstehen mit jeder Antwort gefühlt drei neue Fragen.