Starke Charaktere, viel Potenzial und ausbaufähiges Worldbuilding

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern Leerer Stern
snookie Avatar

Von

In Reap & Sow – Dämonenpakt geht es um Eda. Ihr Vater hat einen Pakt mit einem Dämon geschlossen und ist dazu verpflichtet, für ihn Lebensjahre zu beschaffen. Nach dem Tod ihres Vaters gehen die Schulden des Pakts auf Eda und ihre Brüder über. Um diese zu begleichen, beschaffen sie die benötigten Lebensjahre, indem sie andere Menschen dazu bringen, Pakte mit dem Dämon zu schließen.Da alles, was mit Dämonen zu tun hat, streng verboten ist, müssen Eda und ihre Brüder ihr Geschäft im Verborgenen betreiben. Eines Tages gerät ihr Geschäft jedoch in Visier. Daraufhin werden Edas Brüder verhaftet. Eda kann fliehen, wird aber von nun an gesucht. Sie sieht nur eine Möglichkeit, ihre Brüder zu befreien: Sie muss selbst einen Pakt mit einem anderen Dämon schließen und dafür einige ihrer eigenen Lebensjahre opfern. Reap & Sow – Dämonenpakt ist der erste Band einer Dilogie und wird aus Edas Perspektive erzählt.

Zunächst einmal zum Positiven: besonders gut gefallen haben mir die Charaktere. Eda machte auf mich einen sympathischen Eindruck. Sie ist sehr auf ihre Familie bedacht und würde für ihre Brüder alles tun. Sie ist liebenswürdig und einfühlsam, auch wenn sie manchmal mit dem Kopf durch die Wand will. Gleichzeitig ist sie mutig, willensstark und keine klassische Heldin.

Kit wirkt zu Beginn eher kühl, abweisend und rücksichtslos. Im Laufe der Geschichte macht er jedoch eine schöne Entwicklung durch und zeigt zunehmend auch seine liebenswürdige Seite. Generell fand ich die Entwicklung der Charaktere gelungen und sie wirkten auf mich authentisch und passend zu ihren jeweiligen Rollen. Allerdings kam mir Edas Entwicklung teilweise etwas übereilt vor und wurde für meinen Geschmack zu schnell abgehandelt.

Die Beziehung zwischen Eda und Kit kam für mich etwas abrupt. Die beiden haben sich zwar bereits vorher immer wieder geneckt, trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass ihre Annäherung etwas besser eingeleitet wird. Davon abgesehen hat mir ihre Beziehung sehr gut gefallen. Sie ist liebevoll und von Respekt, Zuneigung und gegenseitigem Verständnis geprägt. Auch die Interaktionen zwischen den beiden mochte ich sehr gerne. Sie haben sich häufig geneckt und ihre Späße miteinander gemacht, was auf mich locker und authentisch wirkte. Die Tension zwischen ihnen war deutlich zu spüren, ohne dass dafür viel Spice notwendig war.

Bei der Handlung hatte ich leider einige Schwierigkeiten. Die Geschichte entwickelt sich sehr langsam und gerade die erste Hälfte des Buches empfand ich häufig als langatmig und repetitiv. Erst gegen Ende kam für mich wirklich Spannung auf. Das eigentliche Finale wurde dann allerdings wieder relativ schnell abgehandelt. Hier hätte ich mir noch etwas mehr Ausarbeitung und Spannung gewünscht. Insgesamt hat mich die Geschichte deshalb leider nicht so gepackt, wie ich es mir erhofft hatte.

Auch beim Worldbuilding gab es für mich einige Schwächen. Gerade die Welt der Dämonen sowie die Pakte und ihre Hintergründe wurden meiner Meinung nach nur oberflächlich behandelt. Immer wenn bei mir Fragen aufkamen, wurden diese relativ schnell beantwortet oder gar nicht weiter vertieft. Dadurch blieb für mich vieles eher oberflächlich und ich hätte mir an diesen Stellen deutlich mehr Details gewünscht.

Auch die Atmosphäre konnte meine Erwartungen leider nicht ganz erfüllen. Zwar empfand ich die Geschichte durchaus als etwas düsterer, die Gothic-Atmosphäre, mit der das Buch beworben wurde, kam für mich jedoch nicht wirklich auf. Gerade hier hatte ich mir etwas mehr erhofft.

Insgesamt hat das Buch eine interessante Grundidee und sympathische Charaktere. Besonders Eda sowie die Beziehung zwischen Eda und Kit konnten mich überzeugen. Gleichzeitig hätte ich mir mehr Worldbuilding, eine stärkere Atmosphäre und eine etwas spannendere Handlung gewünscht. Die Geschichte entwickelt sich sehr langsam und konnte mich dadurch leider nicht immer fesseln.

Wer eine eher leichte Fantasy-Geschichte mit einer etwas düstereren Atmosphäre sucht und mehr Wert auf Tension als auf Spice legt, könnte mit der Geschichte durchaus seine Freude haben.