Die Rebellion erhebt sich

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Anhand des Klappentextes und der Leseprobe hatte ich mir unter Rebel Empire eine etwas andere Geschichte erhofft. Endlich mal wieder ein Setting, in dem es kein Entkommen gibt und viel Action versprochen wird. Endlich wieder entgegengesetzte Welten mit Zwangszusammenführung auf ‚engstem Raum‘. Endlich wieder viel Potenzial in Bezug aufs Worldbuilding.

Verschiedene magische Gaben kommen in Rebel Empire auf jeden Fall vor, was ich auch super finde. Den größten Anteil nimmt Luces Gabe der Nekromantie ein. Allerdings nicht wie man ahnen könnte in ihrer ausführenden Form. Eher ist es die Gabe, die sie zur Außenseiterin macht und halbwegs alleine und aufgeschmissen auf weiter Flur stehen lässt. Hier warte ich auf Band 2, in der hoffentlich das so groß gemachte Thema endlich die volle Aufmerksamkeit bekommt.

Auch die Unterschiede der Ober,- und Unterschicht, die viel Potenzial in den ersten Kapiteln birgt, verliert durch die Gefängnisinsel Exile Point viel an Bedeutung. Der überwiegende Teil spielt sich nämlich auf ihr ab und obwohl die Insel für den Leser die ein oder andere Überraschung bereithält, empfand ich den gesamten Aufenthalt eher als nettes Geplänkel, als wirklich spannend. Für viele, die bei einer Trilogie den 2 Band nicht als ihren Favoriten betiteln, dieser erste Band hat sich für mich wie ein zweiter Mittelstreckenband angefühlt.

Es tauchen einige nette Nebencharaktere auf, doch der ganze Aufbau von Exile Point, sowie das Vorkommen des Äthers und sich daraus ergebenden Gefahr waren für mich eher voraussehbar.

Dafür haben mir die Protagonisten Luce und Jax sehr gut gefallen und sie tragen für mich, gepaart mit den paar phantastischen Elementen die Geschichte.
Luce hat ihre Prinzipien und lässt sich auch durch ungeahnte Ereignisse und Notsituationen nicht davon abbringen. Kompromisse gibt es nur in moralisch vertretbaren Situationen, Hilfsbereitschaft ist nahezu unendlich vorhanden. Ich erlebte sie als charakterstark aber durchaus empathisch.
Jax macht auf der anderen Seite eine ähnlich gute Figur. Auch er vertritt seine Werte und ist sich nicht zu stolz, über sein Handeln nachzudenken und daraus zu lernen. Besonders gut gefallen hat mir der durchgehende Konsens der beiden Protagonisten in intimeren Momenten und der allgemein liebevolle Umgang, ohne ‚jemandem was beweisen‘ zu müssen.

Im Nachwort erläutert die Autorin, dass die Geschichte fiktiv ist, sie sich aber durchaus an dem vergangenen und gegenwärtigen Weltgeschehen orientiert. Wer die Nase nicht nur in ein Buch steckt, sondern die Augen nach außen richtet, dem fällt das auch auf.
Es wäre positiv, wenn die behandelten Themen aktuell nicht so präsent und damit negativ wären. Es lässt die Grenzen zwischen Fiktion und Realität verschwimmen und es konnte mir dadurch zeitweise keine Flucht aus der Realität bieten. Dafür lässt es durch die Parallelen durchaus Spielraum, um seine Lehren zu ziehen.

Obwohl meine Erwartungen nicht ganz erfüllt werden konnten (was bei Erwartungen aber immer nahezu ist), freue ich mich dennoch auf den 2. Band und hoffe, dass er das erhoffet Tempo und Klärung zu Luces Gabe bringt.