Ein absolutes Highlight in der Welt der dystopischen Romantasy!

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wauwuschel Avatar

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Luce ist die Tochter des Generalsdoktors und hat eigentlich keine Fähigkeiten. Bis sich die Gabe der Nekromantie bei ihr zeigt und sie zusammen mit dem Rebellen Jax nach Exile Point verbannt wird. Dort geht es ums reine Überleben und nur gemeinsam schaffen sie das.


“Ihre Worte treffen mich dort, wo es am meisten wehtut. Nicht, weil ich an Traeger geglaubt habe, sondern weil ich mir sicher war, dass ich klug genug wäre, mich nicht von Propaganda täuschen zu lassen. Ich habe immer geglaubt, damit wären pathetische Ansprachen gemeint, Plakate, die in Ward hängen und eine ruhmreiche Karriere im Militär versprechen. Und genau deshalb habe ich mich so sicher gefühlt. Ich bin klug. Ich bin gebildet. Ich will keinen Krieg. Und ich kann zwischen Wahrheit und Lüge unterscheiden. Aber was, wenn nicht?” -Luce Sinclair


Dieser Auftakt einer dystopischen Romantasy-Dilogie hat schon mit dem Cover und dem dazu passenden Farbschnitt meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Normalerweise bin ich kein Fan von einer Person auf dem Bild, aber die düstere Atmosphäre, der Titel und der Zeichnungsstil haben mich voll überzeugt. Auf der Rückseite des Buchumschlags gibt es auch eine detaillierte Karte der Welt mit den verfeindeten Königreichen und Exile Point und das kurze Register am Anfang vereinfacht das Lesen. Auch der Schreibstil hat mich in den Bann gezogen, sodass ich nicht aufhören konnte zu lesen, während die Schriftart gewöhnungsbedürftig ist. Interessant sind außerdem kleine Zeitungsartikel oder Texte zwischendurch, die mehr Informationen geben. Und ob man mir glaubt oder nicht, die Story und das Setting mit dem ganzen Aufbau sind noch besser geworden als die Gestaltung und das muss schon etwas bedeuten.


Allmählich kehren wir in die Ära der Dystopien zurück, die vor einigen Jahren ihr letztes Hoch hatte, und ich freue mich sehr darüber. Schließlich werden aktuelle Themen, gesellschaftliche Kritik sowie politischer Faschismus behandelt und das auf eine sehr spannende Art und mit charakterstarken Personen, die zum Thema Rebellion passen (siehe Zitat). Trotzdem ist es in keiner Weise öde oder langatmig, im Gegenteil, auf jeder Seite geschieht etwas und nach einem actiongeladenen Kampf folgt die Orientierung in einer neuen Situation und immer mal wieder werden großen Gefühlen Raum zur Entfaltung gelassen. Das Worldbuilding ist von den Königreichen her normal, aber der Magieaspekt und wie der Äther in der Luft Fähigkeiten verleiht und sich alles im Leben darum dreht, war besonders und hatte die ganzen 550 Seiten über mein Interesse. Für mich hätte es durchaus mehr Szenen geben müssen, in denen die Gaben und Fähigkeiten angewendet werden, aber da erhoffe ich mir mehr im zweiten Band und es gibt jetzt noch viel Potenzial. Luce muss ihre Fähigkeit der verhassten Nekromantie auch erst noch meistern.


Wenn die Story für eine kurze Zeit stagniert, taucht ein Plottwist aus dem Nichts auf und wirft alles über den Kopf, was wir davor zu wissen geglaubt haben. Schon der Anfang des Buches war fesselnd und die Story rund um Luce und Jax nimmt immer schneller ihren Lauf. Anschließend kommen sie auf Exile Point an und nichts ist so wie erwartet, sodass ich als Leserin auf jeder neuen Seite überrascht wurde. Ich habe mitgefiebert, ob und wie die Charaktere, darunter auch die Verbündeten von Luce oder Freund- und Feindschaften, überleben und was aus ihnen wird. Es ist ein ständiger Kampf gegen ein großes System und wenn mal Fortschritte gemacht wurden und Luce beispielsweise ihre Vergangenheit und das Leben in der Oberstadt hinterfragt, stört wieder etwas das Geschehen und es geht rasant weiter. Alles endet mit einem würdigen actiongeladenen Finale, das einem alles abverlangt und nur so mit unseren Gefühlen spielt, und einem fiesen Cliffhanger, sodass man den zweiten Band nicht früh genug in der Hand haben kann.


Zuletzt kommen wir zu den Protagonisten, die das Ah und Oh in der ganzen Rebellion-Thematik sind. Auch andere Personen wachsen einem ans Herz, wie zum Beispiel Mitstreiter auf der Insel, und wiederum andere bleiben mysteriös, worunter der Anführer der Insel und die Politiker in Myra fallen. Jax ist der Rebell, der eine tragische Vergangenheit hat und nun alles dafür tut, um das Regime zu stürzen und seine Freunde zu schützen. Dabei bleibt er auf Abstand, taut aber nach und nach auf, was ihn zu einem ehrlichen jungen Mann macht, der einfach nur überleben will. Luce wiederum ist das genaue Gegenteil und legt eine fantastische Charakterentwicklung hin. Sie ist von der Politik und ihrem Vater überzeugt, muss aber so einiges einsehen und reagiert währenddessen so natürlich, als wäre sie eine von uns. Sich der Realität zu stellen und Hass-Person Nummer Eins zu sein ist hart, doch sie gibt nicht auf und kämpft mutig für eine Zukunft, während sie ihre Gabe kennenlernt. Mal ist sie naiv, dann wieder willensstark und bis zum Ende kann ich verstehen, wie sie zu der Person auf dem Cover wird, da möchte ich noch ganz viel im nächsten Band sehen.


Genauso schön ist die langsam ablaufende Liebesgeschichte, bei der sich beide erst spät eingestehen, dass sie irgendwas für den jeweils anderen fühlen und Neuland betreten. Jeder Interaktion zwischen Luce und Jax war ein kleines Highlight und trotzdem lenkt es nicht von der Handlung ab, wodurch die Autorin die perfekte Balance geschaffen hat. Sie kommunizieren wie die über 20-jährigen, die sie sind, und tiefgründige Gespräche wechseln sich mit emotionalen Szenen, Action-Szenen und einer bald allumfassenden Liebe ab. Intime Szenen dürfen natürlich auch nicht fehlen, davor warne ich auf jeden Fall, aber sie sind sporadisch. Im Allgemeinen sollte man sich den Triggerwarnungen bewusst sein, bevor man das Buch liest, denn eine dunkle Atmosphäre mit ernsten und brutalen Themen ist vorprogrammiert.


Insgesamt habe ich schon sehr lange keine so gute Dystopie mit Fantasy- und Romance-Elementen gelesen und kann das Buch definitiv weiterempfehlen!