Auf der Grenzlinie zwischen Fakten und Fiktion

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milena Avatar

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Zwei lange Leseabende liegen hinter mir. 700 Seiten sind eine wahrhaft herausfordernde Lektüre, aber eine mehr als lohnende. Der Suhrkamp Verlag hat einen tollen Politthriller veröffentlicht. Ich kenne „Stern des Nordens“ (noch) nicht, aber der Thriller funktioniert auch ohne die Kenntnis des Vorgängerbuches des Waliser Autoren D.B. John, der lange Jahre in Südkorea gelebt hat, aber auch Nordkorea bereist hat, also als profunder Kenner der örtlichen Gegebenheiten gelten kann. Drei Personen stehen im Mittelpunkt des Buches: Jenna, CIA-Agentin koreanischer Herkunft, Aljoscha, ein mutiger Moskauer Student, der in einer Fernsehsendung Putin durch eine freche Frage nach Korruption herausfordert, und Eric, nordkoreanischer Spion, der im Weißen Haus als Spezialist für Nordkorea arbeitet. In kurzen Kapiteln wechseln sich im Wesentlichen die Geschehnisse um diese drei Personen und ihr jeweiliges persönliches und berufliches Umfeld ab. Der Halbbruder des nordkoreanischen Herrschers wird öffentlich am Flughafen von Kuala Lumpur mit einem raffinierten Giftanschlag, ausgeführt von zwei Frauen, die nichts von ihrer totbringenden Mission ahnen, ermordet. Man denkt automatische an den Anschlag auf den russischen Oppositionellen Nawalny und ahnt, dass russische Expertise dahintersteckt. Der Vater des russischen Studenten, der als russischer General für die Amerikaner spioniert, stirbt durch ein Gift, das sich beim Einschalten der Lampen freisetzt. Mehr soll an der Stelle nicht verraten werden. Aber man darf sich auf ein großes Leseabenteuer freuen, muss sich aber beim Lesen immer vergewissern, wo die Grenze zwischen Fakten, der Amtszeit von Trump 2017, und Fiktion liegt.