Wenn politische Fiktion plötzlich erschreckend real erscheint …
Es gibt Thriller, die unterhalten und es gibt Thriller, bei denen man sich während des Lesens immer wieder fragt: Wie viel davon könnte tatsächlich passieren? „Red Star Down“ von D. B. John gehört für mich ganz eindeutig zur zweiten Kategorie. Und genau das hat mich bei diesem Politthriller so unglaublich fasziniert.
Die Handlung führt uns in die Jahre 2017 und 2018 und mitten hinein in das politisch hochexplosive Dreieck zwischen den USA, Russland und Nordkorea. Im Zentrum stehen mehrere Figuren und Handlungsstränge: CIA-Agentin Jenna Williams verfolgt die Spuren eines geheimen nordkoreanischen Beschaffungsnetzwerks und stößt dabei erneut auf das sogenannte „Saat-Programm“, das eng mit dem Schicksal ihrer Zwillingsschwester Soo-min verbunden ist. Gleichzeitig gerät der junge Ljoscha Kusnezow in Russland nach einem mutigen Fernsehauftritt ins Visier des Geheimdienstes, während sein Vater Dmitri ein gefährliches Doppelleben führt. Und dann ist da noch Eric Rahn, ein Sonderberater im Weißen Haus, dessen wahre Absichten zunehmend für Unbehagen sorgen.
Was mich an diesem Roman besonders begeistert hat, ist die Verknüpfung von Fiktion, historischen Hintergründen und realen politischen Ereignissen. Donald Trump, Wladimir Putin und Kim Jong-un sind nicht einfach nur Namen am Rande der Geschichte. D. B. John bettet seinen Thriller so geschickt in die damalige politische Weltlage ein, dass die Grenzen zwischen Realität und Fiktion immer wieder erschreckend verschwimmen. Gerade das Wissen darum, dass einige Elemente auf tatsächlichen historischen Begebenheiten und politischen Entwicklungen beruhen, hat bei mir für ein ganz besonderes Gefühl gesorgt: Was wäre, wenn …?
Und genau dieser Gedanke ist teilweise richtig beängstigend. Geheimdienste, politische Manipulation, Schläferagenten, Verrat und die Frage, wie weit autoritäre Staaten gehen würden, um Einfluss auf andere Länder zu nehmen – manches erscheint beim Lesen plötzlich gar nicht mehr so weit hergeholt. Gerade mit Blick auf die heutige politische Weltlage entwickelt der Roman dadurch eine Aktualität, die mich nachhaltig beschäftigt hat.
Dabei ist „Red Star Down“ mit seinen 715 Seiten wirklich ein Wälzer. Trotzdem hatte ich zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, mich durch diese Seiten kämpfen zu müssen. Ganz im Gegenteil: D. B. John schreibt klar, präzise und unglaublich spannend. Kurze Kapitel, wechselnde Perspektiven und die verschiedenen Schauplätze sorgen für ein hohes Tempo. Anfangs muss man bei den zahlreichen Figuren und Handlungssträngen zwar aufmerksam bleiben, doch nach und nach greifen die einzelnen Puzzleteile immer stärker ineinander.
Besonders gelungen finde ich außerdem, dass hinter den großen politischen Konflikten immer die persönlichen Schicksale sichtbar bleiben. Loyalität, Familie, Verrat, Manipulation und die Folgen vergangener Traumata verleihen den Figuren eine Tiefe, die aus dem Politthriller weit mehr als ein reines Katz-und-Maus-Spiel der Geheimdienste macht.
Mein Fazit: „Red Star Down“ ist komplex, politisch, hervorragend recherchiert und gleichzeitig verdammt spannend. Ein Thriller, der mich nicht nur unterhalten, sondern auch nachdenklich gemacht und stellenweise regelrecht beunruhigt hat. Trotz seiner 715 Seiten konnte ich ihn nur „schwer“ (im wahrsten Sinne des Wortes) aus der Hand legen und genau das sagt für mich eigentlich schon alles.
Eine absolute Empfehlung für alle, die intelligente Polit- und Spionagethriller lieben und sich gerne fragen: Was davon ist wirklich nur Fiktion?