Eine Geschichte über Freundschaft, Verlust und die Menschen, die man nicht retten kann
„Red“ von Louise Kennedy ist für mich vor allem eine Geschichte über zwei Menschen, deren Leben auf ganz besondere Weise miteinander verbunden bleiben. Róisín lernt Red als Jugendliche in einem kleinen irischen Ort kennen. Beide sind irgendwie Außenseiter, beide passen nicht so richtig in ihre Umgebung – und gerade das scheint sie miteinander zu verbinden. Red ist schlagfertig, klug, ein bisschen rätselhaft und gleichzeitig jemand, der schon früh etwas Unruhiges und Selbstzerstörerisches an sich hat.
Was mir an Róisín besonders gefallen hat, ist ihre Entwicklung. Aus dem Mädchen, das sich zu Red hingezogen fühlt und unbedingt an ihm festhalten möchte, wird eine Frau, die versucht, sich ein eigenes Leben aufzubauen. Die Geschichte führt die beiden schließlich nach England. Während Róisín versucht, dort anzukommen und sich eine Zukunft aufzubauen, gerät Red immer weiter auf einen falschen Weg.
Dabei geht es für mich gar nicht nur um die Frage, ob Róisín Red liebt oder was aus den beiden wird. Viel stärker fand ich den Gedanken, wie weit man für einen Menschen gehen kann und ab welchem Punkt man akzeptieren muss, dass man ihn nicht retten kann. Gerade diese Hilflosigkeit fand ich sehr emotional. Man möchte als Leser manchmal selbst eingreifen und Red vor seinem Absturz bewahren, weiß aber gleichzeitig, dass manche Entscheidungen nur derjenige selbst ändern kann.