Intensiv
Diese Leseprobe hat mich mit ihrer präzisen, ungeschönten Milieuzeichnung sofort gefesselt. Der Dialog zwischen Róisín und Red sprüht vor lakonischem Witz, ihre literarischen Wortgefechte über Joan Didion und Pink Floyd wirken nie aufgesetzt, sondern fangen genau ein, wie sich zwei kluge, einsame Teenager im Irland der frühen Achtziger übereinander freuen, ohne es sich anmerken lassen zu wollen. Der Running Gag mit den Kosenamen, erst Ró, dann wieder McCaffrey, ist ein feines Mittel, um die wechselnde Nähe zwischen den beiden spürbar zu machen.
Besonders die eingewobene Familiengeschichte, der Vater bei der RUC, die Flucht aus dem Norden, sein Zusammenbruch mit dem Satz "Ich bin ein gebrochener Mann", verleiht der Coming-of-Age-Geschichte politisches Gewicht, ohne belehrend zu wirken. Die Autorin lässt die Nordirlandkonflikt-Thematik ganz beiläufig durch Alltagsdetails aufscheinen, etwa das Fehlen im Telefonbuch oder das Abhören verbotener Radiosender, was viel eindringlicher wirkt als jede explizite Erklärung.
Auch die Grausamkeit der Mädchenclique um Tina und Róisíns verzweifelte Botengänge, um sich einen gewissen Status zu erkaufen, sind schmerzhaft genau beobachtet, ebenso die komplizierte Beziehung zu ihrer Mutter, die zwischen Zärtlichkeit und schneidender Kälte schwankt. Die Szene am Kanal am Ende, mit Reds "Ich wünschte, ein Kahn käme vorbei, wir könnten uns ungesehen auf ihn herunterfallen lassen und ein neues Leben beginnen", hat eine anrührende jugendliche Sehnsucht nach Entkommen, die mich neugierig macht, wohin diese intensive erste Verbindung zwischen den beiden führen wird.
Besonders die eingewobene Familiengeschichte, der Vater bei der RUC, die Flucht aus dem Norden, sein Zusammenbruch mit dem Satz "Ich bin ein gebrochener Mann", verleiht der Coming-of-Age-Geschichte politisches Gewicht, ohne belehrend zu wirken. Die Autorin lässt die Nordirlandkonflikt-Thematik ganz beiläufig durch Alltagsdetails aufscheinen, etwa das Fehlen im Telefonbuch oder das Abhören verbotener Radiosender, was viel eindringlicher wirkt als jede explizite Erklärung.
Auch die Grausamkeit der Mädchenclique um Tina und Róisíns verzweifelte Botengänge, um sich einen gewissen Status zu erkaufen, sind schmerzhaft genau beobachtet, ebenso die komplizierte Beziehung zu ihrer Mutter, die zwischen Zärtlichkeit und schneidender Kälte schwankt. Die Szene am Kanal am Ende, mit Reds "Ich wünschte, ein Kahn käme vorbei, wir könnten uns ungesehen auf ihn herunterfallen lassen und ein neues Leben beginnen", hat eine anrührende jugendliche Sehnsucht nach Entkommen, die mich neugierig macht, wohin diese intensive erste Verbindung zwischen den beiden führen wird.