25 Jahre voller Glück und Schmerz
Irland, 1982: Die 15-jährige Róisín kann ihre Aufregung kaum verbergen, als sie ausgerechnet Red Camelin den Brief ihrer Mitschülerin übergeben soll. Red trägt auffälligere Klamotten als die anderen Jungs und ist ständiges Gesprächsthema bei den Mädchen. Und ausgerechnet sie, die aus Nordirland zugezogene Außenseiterin mit dem merkwürdigen Dialekt, soll diesen Jungen ansprechen? Sie wagt es und ist überrascht: Red ist gar nicht so arrogant, wie sie dachte. Für ihre Verhältnisse läuft das Gespräch sogar ziemlich gut...
"Red" ist der neue Roman von Louise Kennedy, der in der deutschen Übersetzung von Hans-Christian Oeser und Claudia Glenewinkel bei Claassen erschienen ist. "Es war das erste Mal, dass sie mit einem Jungen sprach", lautet der bemerkenswerte erste Satz und 380 Seiten später wissen wir: Dieser Satz ist tatsächlich mehr als ein Romananfang. Er ist der Auftakt einer besonderen Freundschaft und der Beginn eines der wundervollsten Bücher des Jahres.
Was als klassische Coming-of-Age-Geschichte beginnt, wandelt sich zu einem melancholischen Außenseiterdrama, das neben der immer komplizierter werdenden Beziehung der beiden Protagonisten ganz nebenbei auch zentrale Themen wie Identität, Gesellschaft und Politik behandelt. 25 Jahre lang werden wir Róisín und Red am Ende begleitet und dabei eine irische Kleinstadt und London als die Hauptschauplätze kennengelernt habe. 25 Jahre voller Glück, Schmerz, Trauer, Liebe, Missbrauch und Besessenheit.
Wer sich auf "Red" einlässt, braucht durchaus ein dickes Fell, denn dieses Buch kann eigentlich niemanden kalt lassen. Fast von jeder Seite springen einen die Emotionen, die der Text beinhaltet, förmlich an. Es ist beglückend, wenn Red Róisín zu Weihnachten einen Zettel schenkt, der ihr lebenslange Freundschaft verspricht. Es ist herzzerreißend, wenn Róisín erstmals ihre wenige Monate alte Schwester in die Arme nimmt. Und es tut verdammt weh, wenn der mittlerweile Anfang 20-jährige Red in London als Hausbesetzer immer mehr dem Alkohol und den Drogen verfällt.
Gerade der lange Mittelteil, der in der englischen Hauptstadt spielt, ist tieftraurig und deprimierend. Er erzählt von geplatzten Träumen und gescheiterten Hoffnungen. Er macht wütend und lässt einen fassungslos zurück. So oft wollte ich Red auf diesen Seiten anschreien, um ihn danach in den Arm zu nehmen. So häufig wollte ich Róisín schütteln, damit sie ihr Leben nicht ebenfalls wegwirft.
Bis auf das etwas nervige Fehlen der Anführungszeichen hat mich der Roman von vorn bis hinten überzeugt und bewegt. Die Dialoge sind auf den Punkt, die Figuren charismatisch und glaubwürdig. Die Sprache ist mal poetisch, mal rau, aber nie vulgär. Die Zärtlichkeit, mit der Louise Kennedy ihre Charaktere begleitet, ist außergewöhnlich. Trotz der zahlreichen Fehler, die diese begehen, verurteilt sie diese nicht. Keine Figur ist schwarz-weiß, bei jeder einzelnen ist die Ambivalenz zu erkennen.
Insgesamt ist "Red" ein fantastisches Buch, das mich mehrfach zu Tränen rührte und dem ich sehr gern über die knapp 400 Seiten gefolgt bin. Hervorzuheben sind auch die äußerst gelungene Übersetzung und die dazu passenden zahlreichen Anmerkungen im Anhang, die es mir ermöglichten, noch tiefer in die (irische) Seele zu blicken. Ist es Zufall, dass mich zuletzt Colin Walshs "Kala" ähnlich mitriss, das ja ebenfalls aus Irland stammte? Beide liegen in meiner Liste der besten Bücher des Jahres jedenfalls ziemlich weit oben.
"Red" ist der neue Roman von Louise Kennedy, der in der deutschen Übersetzung von Hans-Christian Oeser und Claudia Glenewinkel bei Claassen erschienen ist. "Es war das erste Mal, dass sie mit einem Jungen sprach", lautet der bemerkenswerte erste Satz und 380 Seiten später wissen wir: Dieser Satz ist tatsächlich mehr als ein Romananfang. Er ist der Auftakt einer besonderen Freundschaft und der Beginn eines der wundervollsten Bücher des Jahres.
Was als klassische Coming-of-Age-Geschichte beginnt, wandelt sich zu einem melancholischen Außenseiterdrama, das neben der immer komplizierter werdenden Beziehung der beiden Protagonisten ganz nebenbei auch zentrale Themen wie Identität, Gesellschaft und Politik behandelt. 25 Jahre lang werden wir Róisín und Red am Ende begleitet und dabei eine irische Kleinstadt und London als die Hauptschauplätze kennengelernt habe. 25 Jahre voller Glück, Schmerz, Trauer, Liebe, Missbrauch und Besessenheit.
Wer sich auf "Red" einlässt, braucht durchaus ein dickes Fell, denn dieses Buch kann eigentlich niemanden kalt lassen. Fast von jeder Seite springen einen die Emotionen, die der Text beinhaltet, förmlich an. Es ist beglückend, wenn Red Róisín zu Weihnachten einen Zettel schenkt, der ihr lebenslange Freundschaft verspricht. Es ist herzzerreißend, wenn Róisín erstmals ihre wenige Monate alte Schwester in die Arme nimmt. Und es tut verdammt weh, wenn der mittlerweile Anfang 20-jährige Red in London als Hausbesetzer immer mehr dem Alkohol und den Drogen verfällt.
Gerade der lange Mittelteil, der in der englischen Hauptstadt spielt, ist tieftraurig und deprimierend. Er erzählt von geplatzten Träumen und gescheiterten Hoffnungen. Er macht wütend und lässt einen fassungslos zurück. So oft wollte ich Red auf diesen Seiten anschreien, um ihn danach in den Arm zu nehmen. So häufig wollte ich Róisín schütteln, damit sie ihr Leben nicht ebenfalls wegwirft.
Bis auf das etwas nervige Fehlen der Anführungszeichen hat mich der Roman von vorn bis hinten überzeugt und bewegt. Die Dialoge sind auf den Punkt, die Figuren charismatisch und glaubwürdig. Die Sprache ist mal poetisch, mal rau, aber nie vulgär. Die Zärtlichkeit, mit der Louise Kennedy ihre Charaktere begleitet, ist außergewöhnlich. Trotz der zahlreichen Fehler, die diese begehen, verurteilt sie diese nicht. Keine Figur ist schwarz-weiß, bei jeder einzelnen ist die Ambivalenz zu erkennen.
Insgesamt ist "Red" ein fantastisches Buch, das mich mehrfach zu Tränen rührte und dem ich sehr gern über die knapp 400 Seiten gefolgt bin. Hervorzuheben sind auch die äußerst gelungene Übersetzung und die dazu passenden zahlreichen Anmerkungen im Anhang, die es mir ermöglichten, noch tiefer in die (irische) Seele zu blicken. Ist es Zufall, dass mich zuletzt Colin Walshs "Kala" ähnlich mitriss, das ja ebenfalls aus Irland stammte? Beide liegen in meiner Liste der besten Bücher des Jahres jedenfalls ziemlich weit oben.