Red

Brüchige Leben

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elke17 Avatar

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Endlich ein neuer Roman der nordirischen Autorin Louise Kennedy: „Red“, Originaltitel „Stations“. Eigentlich hätte dieser auch viel besser gepasst, denn wir begleiten über einen langen Zeitraum (1982 bis 2007) die Lebenswege von Red und Róisín.

Die beiden lernen sich 1982 als Teenager im südirischen Kildare kennen. Beide Außenseiter, beide in schwierigen Familienverhältnissen aufgewachsen, beide auf der Suche. Eine tiefe Freundschaft, von Róisíns Seite die erste Liebe. Red bleibt auf Distanz, gerät mit dem Gesetz in Konflikt, sein Vater schiebt ihn nach London ab. Er findet Unterschlupf in einem besetzten Haus, gerät immer tiefer in die Drogenszene, konsumiert und dealt.

Róisín sehnt sich nach dem Freund, fährt nach London, findet ihn und campiert einige Zeit auch in der besetzten Bruchbude. Sie fühlt sich für Red verantwortlich, will ihn retten, ohne Erfolg. Sie gibt auf, verlässt ihn, kann ihn aber nicht komplett aus ihrem Denken verbannen.

Das ist nur der Anfang der Geschichte. Wer nun aber eine Love-Story erwartet, wird enttäuscht sein, denn das ist es ganz und gar nicht. Louise Kennedy verpackt in szenischen Bildern und Alltagssituationen eine historisch-kritische Gesellschaftsanalyse über eine junge irische Generation, die in den 80er Jahren die Illusion hatte, dass ein Ortswechsel Herkunft und Klassenzugehörigkeit vom Tisch wischen und eine Chance auf ein besseres Leben bieten könne. Falsch gedacht, und das macht die Autorin sehr eindrücklich sichtbar.

Ein Roman für die Highlight-Liste des Jahres 2026. Unbedingt lesen!