Red

Eine Geschichte, die noch lange nachwirkt

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_justme Avatar

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Red hat mich von Anfang an unglaublich stark in seine Zeit und in die Gegend von England und Irland zurückversetzt. Der Ton, die Atmosphäre und die Beschreibungen von Alltäglichkeiten haben sich für mich so authentisch angefühlt, dass ich irgendwann nicht mehr das Gefühl hatte, nur über diese Zeit zu lesen, sondern wirklich mittendrin zu sein. Auch wenn das Buch fortschreitet und es Zeitsprünge gibt, spürt man diese Veränderungen auch in der Geschichte.
Dabei habe ich ganz nebenbei auch einiges über die Geschichte zwischen Irland und England in den 1980er-Jahren gelernt – Dinge, die wir in der Schule entweder nie behandelt haben oder die zumindest nicht bei mir hängen geblieben sind. Es ist Teil der Handlung, drängt sich aber niemals vor die eigentliche Geschichte.
Denn das Buch hat so viele Facetten. Da ist zum einen Róisín und ihr Erwachsenwerden. Ihre Suche nach Zugehörigkeit und gleichzeitig der Versuch, sie selbst zu bleiben. Ihre Wut, ihr Zorn, ihre Scham und ihre Schuld. Ich fand ihre Entwicklung unglaublich authentisch, gerade weil sie nicht immer einfach oder geradlinig ist.
Und dann ist da Red und sein Kampf gegen seine Sucht. Erst nach und nach erfährt man, was ihm zugestoßen ist. Auch die anderen Figuren wirken so menschlich, widersprüchlich und echt. Genau das sorgt dafür, dass ich mich vollkommen in die Geschichte hineinversetzt gefühlt habe.
Und für mich die stärkste Seite des Buches: Es hat etwas in mir ausgelöst. Es schärft den Blick dafür, dass jeder Mensch Teil unserer Gesellschaft ist und wir doch so selten wissen, welche Geschichten sich hinter den Fassaden verbergen. Warum jemand einen bestimmten Lebensweg eingeschlagen hat. Welche Entscheidungen bewusst getroffen wurden und welche vielleicht gar keine wirklichen Entscheidungen waren.
Red ist eines dieser Bücher, die für mich nicht mit der letzten Seite enden. Ich glaube, dass mich die Geschichte und besonders ihre Figuren noch lange beschäftigen werden. Über allem liegt dabei ein leicht melancholischer, aber gleichzeitig auch erstaunlich tröstlicher Ton. Ein sehr menschliches, vielschichtiges und beeindruckendes Buch, das mir ausgesprochen gut gefallen hat.