Fremd und verbunden
Außenseiterin Róisín und der angesagte Red lernen sich näher kennen, als Róisín sich von einer Mitschülerin instrumentalisieren lässt, deren Briefe an Red zu transportieren. Die 15-jährige Róisín mag Reds ungewöhnlich förmliche, sarkastische Art zu sprechen. Die beiden verbindet ihr Bücher- und Musikgeschmack. Die Geschichte startet im Irland der 1980er-Jahre. Róisín wächst in bescheidenen Verhältnissen auf. Seit ihr Vater fort ist, prägen Einsamkeit und Sprachlosigkeit den Alltag mit ihrer Mutter. Zu Red fühlt sie sich sofort hingezogen. Beide wirken fremd in ihrer Umgebung und finden zueinander. Ihre Wege bleiben über Jahre miteinander verbunden, sie verlassen Irland und suchen in Großbritannien nach einem Leben. Während Róisín allmählich Fuß fasst, verliert Red zunehmend die Kontrolle über sein Leben. Das Cover gefällt mir sehr, es passt in die Zeit. Louise Kennedy erzählt hier eindringlich von einer komplizierten Beziehung zwischen zwei Menschen, von Verlust, Schuld und der Schwierigkeit von Vergebung. Die Atmosphäre ist dicht und die Figuren finde ich mit wenigen Einschränkungen glaubwürdig gezeichnet. Der Roman zieht sich zum Teil ein bisschen. Insgesamt aber eine Geschichte, die zum Nachdenken motiviert und hängen bleibt.