I See Red!
Der Einstieg in die Leseprobe war schon ein absolutes Versprechen: Das Cover, der Typo-Mix, das nasskalte Irland der 80er-Jahre und diese rau-melancholische Atmosphäre zwischen der 15-jährigen Außenseiterin Róisín und dem sarkastischen Red. Dieser bittere, ungeschönte Ton von Louise Kennedy hat mich sofort gepackt – man riecht beim Lesen förmlich die feuchte Kleinstadtluft und spürt den ersten Schmerz einer intensiven Jugendliebe.
Doch was als atmosphärischer, intim geschriebener Coming-of-Age-Trip beginnt, verliert sich auf halber Strecke leider in seiner eigenen Ambition. Kennedy dehnt die Handlung über Jahrzehnte hinweg aus – von der irischen Provinz über die Besetzerszene im London der 80er bis in den Anfang der 2000er. Dabei setzt die Autorin auf riesige Zeitsprünge, die der Geschichte enorm an Dynamik nehmen. Was in der Leseprobe noch wie ein greifbares, dichtes Beziehungsgeflecht wirkte, zerfasert im weiteren Verlauf in lose Episoden rund um Sucht, Armut, politische Unruhen und verpasste Lebenschancen.
Kennedys Schreibstil bleibt jedoch messerscharf, rau und voller Feingefühl für das Ungesagte. Die Zerrissenheit der Figuren tut weh, und das Thema – die Unmöglichkeit, jemanden vor dem eigenen Abstieg zu retten – wird ohne Kitsch serviert. Doch durch das ständige Vor- und Zurückspringen verliert man die emotionale Bindung zu Róisín und Red, die man zu Beginn so rasch aufgebaut hatte. Die Figuren bleiben irgendwann hinter den ständigen Milieuwechseln und historischen Kulissen auf Distanz. Man beobachtet ihren Verfall eher nüchtern von außen, als dass man ihn mit ihnen durchleidet.
Ein atmosphärisch starkes, sprachlich raues Buch über zerbrochene Illusionen und verpasste Rettungen, das nach einem brillanten Auftakt durch die fragmentarische Struktur und die großen Zeitsprünge leider spürbar an Sogkraft einbüßt.
Doch was als atmosphärischer, intim geschriebener Coming-of-Age-Trip beginnt, verliert sich auf halber Strecke leider in seiner eigenen Ambition. Kennedy dehnt die Handlung über Jahrzehnte hinweg aus – von der irischen Provinz über die Besetzerszene im London der 80er bis in den Anfang der 2000er. Dabei setzt die Autorin auf riesige Zeitsprünge, die der Geschichte enorm an Dynamik nehmen. Was in der Leseprobe noch wie ein greifbares, dichtes Beziehungsgeflecht wirkte, zerfasert im weiteren Verlauf in lose Episoden rund um Sucht, Armut, politische Unruhen und verpasste Lebenschancen.
Kennedys Schreibstil bleibt jedoch messerscharf, rau und voller Feingefühl für das Ungesagte. Die Zerrissenheit der Figuren tut weh, und das Thema – die Unmöglichkeit, jemanden vor dem eigenen Abstieg zu retten – wird ohne Kitsch serviert. Doch durch das ständige Vor- und Zurückspringen verliert man die emotionale Bindung zu Róisín und Red, die man zu Beginn so rasch aufgebaut hatte. Die Figuren bleiben irgendwann hinter den ständigen Milieuwechseln und historischen Kulissen auf Distanz. Man beobachtet ihren Verfall eher nüchtern von außen, als dass man ihn mit ihnen durchleidet.
Ein atmosphärisch starkes, sprachlich raues Buch über zerbrochene Illusionen und verpasste Rettungen, das nach einem brillanten Auftakt durch die fragmentarische Struktur und die großen Zeitsprünge leider spürbar an Sogkraft einbüßt.