Red

Irlands Lost Generation

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yernaya Avatar

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Während Irlands Jugend in den 80er Jahren desillusioniert das Land verließ, zog es mich und viele meiner Generation als Reiseland magisch an. Meine erste Interrail-Tour führte u.a. nach Dublin und ich besuchte die Schauplätze der irischen Geschichte, des Widerstandes gegen die englische Besatzung und hegte eine romantische Vorstellung von der keltischen Tradition. Natürlich hatte ich zuvor Heinrich Böll gelesen, ich besaß mehrere Schallplatten von U2 und den Pogues, der Boomtown Rats, von Sinéad O’Connor und ich sang naiv und begeistert die Songs der Rebellion. Meine Verklärung steht im krassen Widerspruch zu dem Irland, dem in einem Jahrzehnt 500.000 Menschen dem Rücken zukehrten (bei einer damaligen Gesamtbevölkerung von nur knapp über 3 Millionen). Viele von ihnen gingen nach London, doch nicht jeder fand dort sein Glück. Die Entwurzelung und der kulturelle Schock aus dem katholischen Irland in die damals pulsierende Metropole der Punk-Kultur, der sexuellen Freizügigkeit , der Drogen und der neuen Krankheit AIDS zu kommen, machte nicht wenige zu tragischen Verlierern.

Genau diese Zeit fängt Louise Kennedy in ihrem Roman RED großartig ein. Schon die Hörprobe hat mich überzeugt: Das ist ein(Hör)Buch für mich!! Die Atmosphäre ist stimmig, ja, ich fühle mich zurückversetzt in die damalige Zeit. Und diese Meinung habe ich während des Hörens beibehalten. Inka Löwendorf liest dieses Buch absolut phantastisch vor, spricht die irischen Namen korrekt aus und macht die Wut der Hauptprotagonistin Róisin erlebbar, ebenso wie die Trostlosigkeit der Drogenszene. Vor allem hatte ich keine Probleme, bei Dialogen die Personen auseinander zu halten. Ihr Vortrag passt perfekt zu diesem Buch.

Im Original trägt der Roman den Titel STATIONS, den ich paasender finde. Den wir erleben Róisin und Red auf den Stationen ihres Lebens. Knallhart und ungeschminkt wird das Leben der beiden Außenseiter und ihre Freundschaft beleuchtet. Beide haben schon in Irland Traumata erlitten, in der Diaspora kommen sie nur bedingt an. Doch ihre Leben nehmen unterschiedliche Wege. Was ich der Autorin hoch anrechne: sie beschönigt nichts! Dem Drogenmilieu fehlt der Glamour eines David Bowie, dem Alkoholismus die typisch irische Fröhlichkeit. Es gibt keine kitschigen Romanzen und Humor kommt nur in seiner sarkastischen Form vor.

Ich vergebe fünf Sterne für dieses großartige Hörbuch, auch wenn das Zuhören mich immer wieder an meine Grenzen gebracht hat. Oder gerade deswegen!

⭐⭐⭐⭐⭐