Red

Kein leichter Stoff, aber beeindruckend

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Das Cover war sofort voll meins: 80er Jahre at its best!
Und auch die Handlung des Romans beginnt 1982. Róisín (gesprochen Rawsheen) und Red lernen sich im irischen Süden in der Nähe von Dublin als Jugendliche auf dem Schulhof kennen. Beide sind Außenseiter und haben sofort einen Draht zueinander. Die Vorliebe für Ironie und Sarkasmus und für Literatur wird die Basis ihrer Freundschaft. Sie verbringen zunehmend ihre Freizeit miteinander in einem von religiöser Strenge und relativer Armut geprägtem Umfeld. Róisín verliebt sich in Red, der hält sie aber immer auf Abstand. Beide sind eigentlich normale Teenager mit allen dazugehörigen Gefühlen, aber einer zusätzlichen großen Portion Wut und Mut zur Rebellion. Red ist dabei derjenige von beiden, der anfällig für Alkoholmissbrauch und illegale Aktionen ist. Das fasziniert Róisín gleichermaßen wie es sie abstösst. Als Red den Schulbesuch einstellt und nicht mehr in sein Elternhaus zurückkehrt, sondern sich durchschlägt und mal hier, mal dort schläft, verlässt Red unter dem Druck seines Vaters die Stadt und geht nach London.
Irgendwann bekommt Róisín keine Antwort mehr auf ihre Briefe an Red. Sie sucht ihn 3 Jahre später auf und findet ihn in einem besetzten Haus ohne Strom und Heizung. Róisín bleibt bei ihm, obwohl Red sich immer tiefer in Drogen und Kleinkriminalität verstrickt und er weiterhin keine Liebesbeziehung mit ihr will.
Ihre Freundin Sinhead schafft es letztlich, sie 9 Monate später dort wegzuholen und obwohl Róisín in London bleibt, sieht sie Red nur noch einmal kurz wieder.

Das Besondere an diesem Roman ist die Bindung zwischen den beiden Hauptprotagonisten. Louise Kennedy schafft es von Beginn an, diese Verbindung sehr einfühlsam und gleichzeitig auch hart und sehr realistisch spürbar werden zu lassen. Die Charaktere des Romans (es kommen außer den beiden Hauptprotagonisten noch jede Menge andere Figuren vor) zeichnet die Autorin wie eine nordenglische Landschaft: karg, schwer zugänglich, etwas düster und liebevoll.
Ihre Sprache ist eher nüchtern und trotzdem atmosphärisch so dicht, dass alle Stimmungen und Begebenheiten für mich lebendig und fühlbar wurden. Die Atmosphäre, die die Autorin durch ihre Erzählweise erschafft, ist oft bedrückend und grau, aber durch den speziellen Humor und die Liebe, die zwischen manchen Figuren mitschwingt, erträglich.
Es ist kein leichter Stoff, es geht um Verlust, Gewalterfahrungen, Drogen- und Alkoholabhängigkeit, Armut, Obdachlosigkeit und Einsamkeit.
Mich hat der Roman gefangengenommen. Die besondere Freundschaft zwischen Red und Róisín und vor allem Róisins fast bedingungslose Liebe haben mich berührt und haben dazu geführt, dass ich beiden alles verziehen habe, was mich zwischendurch gegen sie aufgebracht hat.
Ein beeindruckender Roman, den ich sehr empfehlen kann.

Eine Anmerkung zum Schluss: im Roman werden keine Satzzeichen zur Kennzeichnung von wörtlicher Rede verwendet. Ich hatte mich aber sehr schnell daran gewöhnt.