Love will tear us apart?
„Red, der an der Stereoanlage stand, zog ihren Vater und Lynne wegen ihrer schrecklichen Kassettensammlung auf: Nicht eine, sondern gleich ZWEI Kassetten von Brothers in Arms…Phil Collins, man möge mich erschießen.“
Irland, 1982:
Alles beginnt, als die fünfzehnjährige Róisín McCaffrey (die mit ihrer Mutter aus Nordirland zugezogen ist und daher einen schweren Stand bei ihren Mitschülern hat), die Briefträgerin für ihre Erzfeindin Tina spielen muss. Der Empfänger des Briefes - ein wohlhabender Junge namens Red (mond)Camelin - fasziniert Róisín, die einigermaßen unsicher ist (und die gerne eine Frisur wie „die Brünette von The Human League“ hätte), sehr – zumal sie mit ihm über Musik und Literatur reden kann. Sie glaubt, in dem Jungen einen Seelenverwandten erkannt zu haben, obwohl er nicht wie sie der working class angehört. Ihr Verhältnis zu Männern ist ohnehin schwierig, da ihr Vater quasi als „der katholische Bulle“ (Sean Duffy, anyone?) in einem mehrheitlich protestantischen Umfeld arbeitete. Róisíns Erzeuger glänzt durch Abwesenheit.
Natürlich spielen auch die „Troubles“ eine Rolle, es ist bekannt, dass zu der Zeit das britisch-irische Verhältnis mehr als angespannt war. Ironischerweise soll der Weg die Protagonisten nach London führen. Können die Figuren ihrer Perspektivlosigkeit wirklich entfliehen, oder spielen Klasse und Geschlecht erneut eine dominierende Rolle? „No Future“ gilt auch in Großbritannien, New Wave und Punk geben den Ton an. Ian Curtis von Joy Divison verbalisiert dabei die Frustration einer ganzen Generation.
Der Heldin der Geschichte soll es gelingen, im Leben Fuß zu fassen. Der Held landet jedoch in der Londoner Hausbesetzerszene; er ist trotz guter sozialer Ausgangslage dem Untergang geweiht; auch Róisíns Zuneigung kann daran nichts ändern, und ihre Sehnsucht soll unerfüllt bleiben. Insofern ist „Red“ auch die Geschichte einer Emanzipation. Der Roman wirft nicht nur ein Schlaglicht auf den (Nord)irlandkonflikt, er beschäftigt sich auch mit hybriden Identitäten und mit der Frage, inwiefern Traumata das Leben bestimmen. Kleinstadt versus Metropole: Die äußeren Umstände - (Anti)katholizismus, Konservatismus, gesellschaftlicher Wandel – bestimmen auch das Innenleben der Figuren.
Düsteres Drama, Milieustudie, Sozialkritik? Fest steht: Ein klassischer Liebesroman ist „Red“ nicht, die Beziehungen in der Erzählung sind kompliziert.
Ich fand „Red“ durchaus lesenswert, die Figurenzeichnung ist mehr oder weniger gelungen. Für mich bot der Roman jedoch nicht unbedingt viel Neues. Louise Kennedys Kniff, wörtliche Rede nicht als solche zu kennzeichnen, erinnert an Sally Rooney, ein auktorialer Erzähler führt durch das Geschehen. Ohne die nicht-lineare Erzählweise wäre es für mich eine konventionelle Lektüre gewesen, da ich ziemlich schnell an Edward St. Aubyns Werk denken musste; insofern blieb „Red“ insgesamt hinter meinen Erwartungen zurück.
Irland, 1982:
Alles beginnt, als die fünfzehnjährige Róisín McCaffrey (die mit ihrer Mutter aus Nordirland zugezogen ist und daher einen schweren Stand bei ihren Mitschülern hat), die Briefträgerin für ihre Erzfeindin Tina spielen muss. Der Empfänger des Briefes - ein wohlhabender Junge namens Red (mond)Camelin - fasziniert Róisín, die einigermaßen unsicher ist (und die gerne eine Frisur wie „die Brünette von The Human League“ hätte), sehr – zumal sie mit ihm über Musik und Literatur reden kann. Sie glaubt, in dem Jungen einen Seelenverwandten erkannt zu haben, obwohl er nicht wie sie der working class angehört. Ihr Verhältnis zu Männern ist ohnehin schwierig, da ihr Vater quasi als „der katholische Bulle“ (Sean Duffy, anyone?) in einem mehrheitlich protestantischen Umfeld arbeitete. Róisíns Erzeuger glänzt durch Abwesenheit.
Natürlich spielen auch die „Troubles“ eine Rolle, es ist bekannt, dass zu der Zeit das britisch-irische Verhältnis mehr als angespannt war. Ironischerweise soll der Weg die Protagonisten nach London führen. Können die Figuren ihrer Perspektivlosigkeit wirklich entfliehen, oder spielen Klasse und Geschlecht erneut eine dominierende Rolle? „No Future“ gilt auch in Großbritannien, New Wave und Punk geben den Ton an. Ian Curtis von Joy Divison verbalisiert dabei die Frustration einer ganzen Generation.
Der Heldin der Geschichte soll es gelingen, im Leben Fuß zu fassen. Der Held landet jedoch in der Londoner Hausbesetzerszene; er ist trotz guter sozialer Ausgangslage dem Untergang geweiht; auch Róisíns Zuneigung kann daran nichts ändern, und ihre Sehnsucht soll unerfüllt bleiben. Insofern ist „Red“ auch die Geschichte einer Emanzipation. Der Roman wirft nicht nur ein Schlaglicht auf den (Nord)irlandkonflikt, er beschäftigt sich auch mit hybriden Identitäten und mit der Frage, inwiefern Traumata das Leben bestimmen. Kleinstadt versus Metropole: Die äußeren Umstände - (Anti)katholizismus, Konservatismus, gesellschaftlicher Wandel – bestimmen auch das Innenleben der Figuren.
Düsteres Drama, Milieustudie, Sozialkritik? Fest steht: Ein klassischer Liebesroman ist „Red“ nicht, die Beziehungen in der Erzählung sind kompliziert.
Ich fand „Red“ durchaus lesenswert, die Figurenzeichnung ist mehr oder weniger gelungen. Für mich bot der Roman jedoch nicht unbedingt viel Neues. Louise Kennedys Kniff, wörtliche Rede nicht als solche zu kennzeichnen, erinnert an Sally Rooney, ein auktorialer Erzähler führt durch das Geschehen. Ohne die nicht-lineare Erzählweise wäre es für mich eine konventionelle Lektüre gewesen, da ich ziemlich schnell an Edward St. Aubyns Werk denken musste; insofern blieb „Red“ insgesamt hinter meinen Erwartungen zurück.