Red

Marmite und Mohair

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elli-spirelli Avatar

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Ein einfühlsames Buch über eine irische Jugendfreundschaft in den 80-er Jahren, die nicht den geraden Weg verfolgt, sondern zickzack zur Selbstbestimmung und -behauptung führt.

Red & Ro – eine ungewöhnliche Freundschaft zweier Außenseiter, klug, belesen, problembelastet durch die Herkunftsfamilien, unkonventionell und sensibel, wütend, ärgerlich, lebenshungrig, aber auch an den schönen Künsten, der Poesie und Musik interessiert, entfliehen sie ihrem Heimatland Irland und versuchen ihr Glück in London.
Die Musik im Roman bietet den Hintergrundsound für dieses atmosphärisch dichte Buch, man möchte die Künstler entdecken, die Musik hören, sich einstimmen auf Róisín und Red und ihre schwierige Beziehung, das Versprechen ewiger Freundschaft ohne zu wissen, was das Leben in petto hält, was der einzelne aushalten, was er den Widrigkeiten entgegensetzen, wie er den Tröstungen durch Alkohol und Drogen widerstehen kann.
Neben der Musik ist die großartige und stark gebeutelte Kulisse Nordirlands zu spüren, die finanzielle Angespanntheit, Arbeitslosigkeit, der Existenzkampf, Verzweiflung, der Katholizismus, der eine Scheidung sowie vorehelichen Verkehr verbietet, der das Leben jenseits der bürgerlichen Ehe erschwert, der Teenager zur Pille danach zwingt, Kondome, Abtreibung und Homosexualität verbietet. Und das in einer Zeit, in der Aids als neuer Schrecken die Schlagzeilen erobert und die Menschen verängstigt. Immer wieder tauchen tagespolitische Nachrichten und berühmte Namen auf - Charles und Diana, der Musiker und Aktivist Bob Geldof und das Band-Aid-Projekt oder auch die Entführung der kleinen Maddie in Portugal, die 80-er sind zurück.
London tritt als Sehnsuchtsort auf, allerdings sind auch dort die Verhältnisse nicht rosig, der schnelle Gewinn durch den Verkauf von Drogen winkt, die Gefahr des eigenen Konsums verkannt.
Eine Geschichte voller Wucht, Wut und Ärger, der nicht immer nachvollziehbar ist, Chancen werden nicht ergriffen, es wird verurteilt und ausgeteilt und das mit einer Selbstgerechtigkeit, die vielleicht das Vorrecht der Jugend ist – Roshina begehrt auf, macht es ihrer Mutter schwer, die fast einer irischen Heiligen gleich immer Verständnis aufbringt und an das Gute im Menschen glaubt. Man möchte wissen, wie die Geschichte weitergeht, ob es Erlösung für die Protagonisten gibt, ein Happy End, oder ist das in diesem Milieu reines Wunschdenken?
Der Sehnsuchtsgedanke nach der heilen Welt, der Hassliebe zu Irland, brodelt in jeglichem Tun, die kleine Tätowierung, das Kleeblatt, der versteckte Dialekt oder die Irish Tunes, die Rückkehr nach Irland – und wenn auch nur im Geiste – ist gewiss. Ein Roman, der trotz des ernsten Themas beglückt, der mitnimmt, unterhält, der spannend und tiefgründig erzählt und man wünscht und hofft mit seinen Anti-Helden, dass sie nicht aufgeben mögen.