Red

Róisín

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Irland in den 80ern, geprägt von Konflikten, die auch das junge Leben von Róisín bereits gezeichnet haben. Aufgrund von politischen Schwierigkeiten ihres Vaters musste die Familie vom Norden in den Süden umsiedeln, hier wächst Róisín in einer Kleinstadt als Außenseiterin auf, in der Schule wird sie von Gleichaltrigen gemieden. Die Ehe der Eltern hat den Umzug und Neuanfang nicht überstanden, sodass ihre alleinerziehende Mutter nun Róisíns primäre Bezugsperson ist und mehr schlecht als recht für den Lebensunterhalt der kleinen Familie sorgen kann.

Wie ein Gegenentwurf zu Róisíns einsamen und wenig privilegiertem Leben wirkt da von außen Red: cool und unnahbar, ein Mädchenschwarm, im Gegensatz zu Róisín aus einer wohlhabenden Familie. Doch dieser Wohlstand, ist wie so oft kein Garant für Glück und Liebe, und so trägt auch Red Narben auf seiner Seele. Wie tief und und groß diese tatsächlich sind, wird Róisín erst viel später in ihrem Leben erfahren.

So unwahrscheinlich die Freundschaft der beiden ist, so schnell kommen sie sich durch einen Zufall, bei dem Róisín einen Brief übergeben soll, näher. Nach einem Streit mit seinen Eltern, zieht Red kurzerhand bei Róisín ein und wird auch von deren Mutter herzlich aufgenommen

So nähern sich die beiden immer mehr an. Es entsteht eine Verbindung die lange keinen Namen hat, aber durch tiefes Vertrauen und Freundschaft geprägt ist. Als Red fluchtartig Irland gen London verlässt, halten die beiden Kontakt und nur wenige Jahre später folgt Róisín ihm nach England, wo auch ihr Vater mittlerweile lebt und so viele Iren in dieser Zeit ihr Glück in London suchen.

Der Roman begleitet Róisín und ihre Beziehung zu Red für weitere knapp 25 Jahre, unterteilt in drei Teile, die sich jeweils ca. einem Jahr widmen. So entsteht ein Bild einer jungen Frau aus dem irischen Arbeitermilieu, die nie irgendwo angekommen ist und versucht sich ein Leben in London aufzubauen, um nicht weniger als ihren Platz in der Welt zu finden, während Red den seinen immer mehr zu verlieren droht. Alkohol und Drogen sind in ihrem Umfeld sowohl in der Familie als auch im Freundeskreis fast selbstverständlich. Gelungen spürt Kennedy einer jungen Frau nach, die mehr will, als ihre Herkunft ihr bieten kann und dabei immer wieder enorme Willenskraft aufbringen muss, um dieser zu entkommen, und vielleicht sogar das aufgeben muss, was ihr am teuersten ist. Dass sie damit nicht allein ist, zeigt ihr Freundeskreis.

Auch wenn Róisín und ihre Beziehung zu Red handlungsleitend sind, ist der Roman weniger Beziehungsroman, als viel mehr eine feine Sozialstudie einer irischen Auswanderergeneration in London. Die besondere Rolle als Iren in London Fuß zu fassen, prägt Róisín, Red, ihr ganzes Umfeld und Teile der Familien.

Über Roisin wird dabei auch immer wieder die besondere Rolle von Frauen in diesem Milieu thematisiert, die Tabuisierung von Verhütung im Herkunftsmilieu, die Gefahr von Übergriffen als junge Auswanderin allein in London.

Was Red vom Leben entfremdet und letztlich auch dazu führt, dass Róisín ihm emotional nie so nah sein kann, wie sie es sich wünscht, wird erst sehr spät im Buch aufgedeckt. Die furchtbare Überraschung und Dramatik dahinter ist sehr gelungen und setzt nicht nur ein letztes Stück in Reds Charakter sondern auch in der Analyse des Milieus aus dem Red und Róisín stammen zusammen.

Red ist ein kluger, einfühlsamer, trauriger und in jeder Hinsicht außergewöhnlicher Roman! Absolute Empfehlung, unbedingt lesen!