Red

Sehr eindringlich irisch

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peppermintpatty Avatar

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Anfangs war ich mir nicht sicher, ob ich nicht vielleicht ein Jugendbuch erwischt habe.

Es geht um Jugendliche in Irland, um Róisín, die Außenseiterin ist in der Schule, zu arm, zu anders, zu vaterlos, um von den angesagten Kids akzeptiert zu werden. Und es geht um Red , dem Traum aller Mädchen, der aus gutem Hause kommt und dort trotzdem nicht leben kann.

Ein Zufall führt sie zusammen und sie werden Freunde, die sich noch Jahre später gegenseitig helfen, auch wenn ihre Wege immer mehr auseinanderdriften. Und über Jahre hinweg knistert da etwas, könnten sie mehr als nur Freunde sein?

Ein großer Teil des Buches erzählt vom Erwachsenwerden der Beiden im Irland der 80er Jahre, mit all den Problemen, die das mit sich bringt. Später verschlägt es sie nach England, wo Drogen und Alkohol denselben Stellenwert haben, aber ihr Irischsein einen zusätzlichen Imageschaden mit sich bringt.

Man begleitet Róisín bis weit ins Erwachsenenalter. Sie schafft es fußzufassen, trotz mancher Stolpersteine. Es ist rührend, wie sie sich mit ihrer zerrissenen Familie zusammenrauft. Aber die Sorge um Red hat sie immer im Hinterkopf. Als sie ihn das letzte Mal sah, ging es ihm gar nicht gut.

Louise Kennedy erzählt einfühlsam und in wunderbarer Sprache. Man sieht alles deutlich vor sich, riecht den Dreck von Irlands Straßen und besetzten Häusern in London, fühlt sich wirklich zurückversetzt in die Zeit. Ihre Figuren sind nahbar, haben Ecken und Kanten und wachsen einem ans Herz. Es liest sich wunderbar, ist eindringlich, nur ein klein wenig handlungsarm. Das Leben geht dahin, hat durchaus Höhen, etwas mehr Tiefen, aber es geht eben dahin.

Über die Jahre hinweg feiern sie immer wieder Weihnachten mit Hindernissen, an unterschiedlichen Orten, in unterschiedlicher Besetzung, das ist eine schöne, originelle Idee.

Das Hörbuch liest Inka Löwendorf sehr schön, transportiert die melancholische Stimmung dieses Buches wunderbar, ohne in allzu viel Betroffenheit abzurutschen. Manchmal hätte ich mir etwas mehr Pausen zwischen den Szenen gewünscht. Bisweilen wechselt der Ort ziemlich plötzlich.

Trotzdem ist es ein besonderes und eindringliches Buch, das ich sehr empfehle. Es dauert 9 Stunden, 51 Minuten.