Red

Verantwortung

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
hildegau Avatar

Von

Red von Louise Kennedy ist ein Roman, der lange nachhallt.
Im Mittelpunkt stehen Róisín und Red, zwei junge Menschen, die im Irland der 1980er-Jahre auf ihre ganz eigene Weise Außenseiter sind. Sie merken, dass sie sich durch ihr Interesse an Musik und Literatur verbunden sind. Beide tragen ein Päckchen mit sich. Die Verbindung zwischen den beiden ist eng, auf einer freundschaftlichen Basis und begleitet sie ein Leben lang.
Die Figuren durchleben verschiedene Stationen in ihrem Leben und die Geschichte lebt davon, dass es nicht direkt einen bequemen Ausweg gibt.

Als Red nach London geht, erhofft sie sich Freiheit. Stattdessen begegnet sie einer Welt, in der Menschen am Rand der Gesellschaft kaum Halt finden und persönliche Krisen im Alltag allzu leicht unsichtbar bleiben. Während Róisín versucht, ihren eigenen Weg zu finden, gerät Red zunehmend in einen Strudel aus Drogen, Abhängigkeit und Selbstzerstörung. Und Róisín muss erfahren, wie begrenzt die Möglichkeiten sind, einem Menschen zu helfen, der sich selbst immer weiter verliert. Die Geschichte kommt ohne dramatischen Effekte aus. Die Sprache der Autorin ist präzise, atmosphärisch und bisweilen von einer bitteren Trockenheit.
Die Erzählung umfasst rund 25 Jahre. Sie verfolgt den Lebenswegen von Róisín und Red, ohne jeden Abschnitt lückenlos auszuerzählen und manche Entwicklung lassen sich erst im Rückblick erschließen.
Was mich an diesem Roman am meisten beschäftigt hat, ist die Frage nach Verantwortung und Ohnmacht. Wie lange kann man versuchen, einen Menschen aufzufangen, ohne dabei selbst unterzugehen? Wann wird Fürsorge zur Belastung, und wo endet die eigene Verantwortung für das Leben eines anderen?
Das Buch hat mir sehr gut gefallen.