Red

Wow, ein großartiger Roman

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
papierundtintenwelten Avatar

Von

Hallo ihr Lieben,
heute habe ich meine Rezension zu „Red“ von Louise Kennedy für euch. Auf dieses Buch war ich sehr gespannt und ich kann direkt zu Beginn verraten, dass es nicht das letzte Buch der Autorin für mich gewesen sein wird.

In dieser Geschichte befinden wir uns in den 1980er Jahren und lernen die fünfzehnjährige
Róisín kennen. Sie lebt in einem kleinen irischen Städtchen und gilt dort als Außenseiterin. Sie und ihre Mutter leben in einem bescheidenen, nasskalten Haus und ihr Vater hat sie verlassen. Als Róisín Red zum ersten Mal trifft fühlt sie sich direkt zu ihm hingezogen. Seine Cargo-Jacke, die er über den Schulblazer gezogen hat, seine ungewöhnlich förmliche, sarkastische Art zu sprechen, die vielen Anspielungen auf Bücher und Musik. Er ist anders auf die Weise, wie sie selbst auch anders ist.
Die beiden freunden sich schnell an und als ihre Bindung tiefer wird, verflechten sich ihre Leben immer stärker. Red und Róisín gehören zu jener Auswanderungswelle in das Vereinigte Königreich, die aus einem Irland aufbricht, das ihnen wenig zu bieten scheint und während Róisín versucht, anzukommen und sich ein eigenes Leben aufzubauen, gerät Red in den Strudel eines selbstzerstörerischen Abstiegs …

Der Einstieg in diesen Roman ist mir dank des tollen Schreibstils von Louise Kennedy gut gelungen. Der Autorin gelingt es hervorragend sowohl die Charaktere und die verschiedensten Beziehungen detailliert und authentisch darzustellen und daneben eine Atmosphäre entstehen zu lassen, die mich nachhaltig beeindruckt hat. Die Geschichte ist vorwiegend Charakter getrieben und hat weniger mit einer gradlinigen Entwicklung zu tun. Ich war schon nach wenigen Seiten von den Inhalten gefesselt und das ist im Verlauf der Geschichte nur noch mehr geworden.

Die Charaktere sind so gut gezeichnet, dass mir jede*s ihrer Traumata, jede Sehnsucht, ihre Lieben und ihr Leben, inklusive mancher schwer erträglichen Entscheidungen mehr als einmal stark unter die Haut gegangen sind. Es war für mich zunächst ein Coming of Age Inhalt und wurde dann bald zu viel mehr. Es geht um Politik und die Folgen bestimmter Entwicklungen für jede*n einzelnen in der Geschichte. Zudem zeigen sich Auswirkungen von Trauma und Familienkonstellationen, die sich wie ein roter Faden durch jedes Kapitel und die Entscheidungen und Handlungen der Charaktere zieht.

Die Geschichte von Róisín und Red hat mich sehr bewegt und das auf verschiedensten Ebenen. Es ist viel mehr als „nur“ eine Freundschafts – oder Liebesgeschichte. Ich hatte mehr als einmal einen dicken Kloss im Hals und stellenweise Tränen in den Augen. Viele Inhalte sind schwer auszuhalten. Es geht unter anderem um Vaterlosigkeit, Missbrauch in verschiedenster Form, Sinnsuche und Drogensucht. Nicht zuletzt steht die Frage, ob man gehen sollte, wenn man einem geliebten Menschen nicht helfen kann und wie man dann überhaupt mit dem eigenen Leben weitermachen kann.

„Red“ ist ein tiefgründiges und tiefgehendes Buch, welches mich begeistert und gefordert hat. Ich möchte es unbedingt empfehlen, mit der Einschränkung gut darauf zu achten, ob man gerade gut mit solchen Themen umgehen kann.