REM

Gute Grundidee mit verschenkter Tiefe

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azyria_sun Avatar

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Worum geht’s?
„Du darfst nicht einschlafen“ – das sind die letzten Worte, die die damals vierjährige Alysee von ihrem Vater hört, kurz bevor er stirbt. Seitdem schläft sie anders als alle anderen: ohne Träume. Ohne REM. Ein Schutzmechanismus? Oder ein Fluch, der nur darauf wartet, zu kippen? Denn was passiert, wenn sie doch in den gefährlichen REM-Schlaf gerät?

Meine Meinung:
Mit „REM“ erschaffen Sebastian Fitzek und Annika Strauss einen Horror-Thriller, der sich schnell liest, direkt wirkt und sprachlich genau das tut, was er soll: Spannung aufbauen. Der Stil ist präzise, schnörkellos und zieht einen unmittelbar ins Geschehen hinein – ganz typisch Fitzek, mit einer dunklen, unterschwelligen Note, die klar von Strauss geprägt ist.

Erzählt wird aus mehreren Perspektiven, allen voran aus der Sicht von Alysee, deren Kindheitstrauma wie ein Schatten über allem liegt. Dazu kommen Figuren wie ihr Pflegebruder Nico und der 14-jährige Marvin, der ein richtig starker Charakter wäre, aber nicht die Bühne bekommt, die er verdient. Denn es bleibt eine gewisse Distanz: Keine der Figuren kommt einem wirklich nah, weil vieles nur angerissen wird. Besonders Nebenfiguren – wie etwa die vermeintliche Anwältin – tauchen auf und verschwinden dann wieder, als hätte man sie versehentlich stehen lassen, obwohl sie im Nachhinein durchaus eine wichtige Rollte hätten spielen können.

Und genau da liegt der Knackpunkt. Die Idee hinter der Geschichte ist stark. Wirklich stark. REM-Schlaf als Bedrohung, das Somnakular, ein Computerspiel, mysteriöse Elemente wie die Airen und dieses gruselige Hotel De Ville – das ist ein Fundus an Möglichkeiten, der förmlich danach schreit, ausgearbeitet zu werden. Stattdessen bleibt vieles an der Oberfläche. Immer dann, wenn es richtig spannend wird, wenn man denkt „Jetzt geht’s los“, wird abgebogen.

Das frustriert ein bisschen. Denn das Buch packt, keine Frage. Man will weiterlesen, man bleibt dran. Aber es fehlt die Tiefe, das Nachbohren, das Auskosten der eigenen Idee. Mit gut 100 Seiten mehr hätte „REM“ das Potenzial gehabt, ein richtig intensiver, verstörender Pageturner zu werden. So bleibt es spannend – aber eben auch ein Stück weit unvollständig. Auch das Horror-Element bleibt überraschend zahm, was angesichts des Settings fast schon schade ist.

Fazit:
„REM“ von Sebastian Fitzek und Annika Strauss überzeugt mit einer starken Grundidee, einem packenden Schreibstil und einem Tempo, das einen mühelos durch die Seiten trägt. Gleichzeitig verschenkt der Thriller jedoch viel von seinem eigenen Potenzial, da zentrale Elemente und Figuren nicht tief genug ausgearbeitet werden. Gerade die spannende Prämisse rund um den REM-Schlaf und die Forschung dahinter sowie die Airen hätten deutlich intensiver und düsterer erzählt werden können. So bleibt ein solides, gut lesbares Buch, das unterhält, aber nicht nachhaltig verstört oder wirklich hängen bleibt. Für Fans von schnellen, atmosphärischen Thrillern durchaus lesenswert – aber kein Highlight.

Daher leider nur 3 Sterne von mir.