Aufwachsen zwischen Särgen und Musik

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
dielesekatze Avatar

Von

Dieser Text beginnt unvermittelt, roh und lakonisch – und genau darin liegt seine Stärke. Zwischen Beethoven, Mentholstöpseln und Brandschutztüren entfaltet sich ein Alltag, der so ungewöhnlich wie selbstverständlich wirkt. Der Ich-Erzähler führt durch die Räume eines Bestattungsinstituts, ohne Pathos, ohne falsche Ehrfurcht, dafür mit trockenem Humor und einer bemerkenswerten Beobachtungsgabe. Tod ist hier kein Ausnahmezustand, sondern Routine – eingebettet in Hitze, Katerstimmung und familiäre Nähe.

Besonders eindrücklich ist die Beziehung zwischen Vater und Sohn. Sie ist geprägt von stiller Fürsorge, unausgesprochenen Regeln und einer Nähe, die sich weniger in Worten als in gemeinsamen Handgriffen zeigt. Der Vater wirkt eigenwillig, liebevoll und in seinem Beruf vollkommen aufgegangen. Seine Art, mit den Toten umzugehen, ist fast zärtlich, während der Erzähler mit einer Mischung aus Ironie, Distanz und kindlicher Prägung auf diese Welt blickt.

Der Text lebt von starken Kontrasten: zwischen jugendlichem Übermut und der ständigen Präsenz des Todes, zwischen der Grobheit des Alltags und poetischen Momenten. Besonders die Erinnerung an den Kronleuchter – das kindliche Spiel mit der eigenen Vorstellung vom Sterben – verleiht dem Text eine leise Melancholie. Tod erscheint hier nicht nur als Verlust, sondern auch als etwas Geheimnisvolles, beinahe Tröstliches.