Zwischen Kühlraum und Aufbruch

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Die Leseprobe zieht einen sofort in eine sehr eigene Welt: Dominik, 16, lebt zwischen Bestattungsinstitut, Provinzsommerhitze und dem Gefühl, dass sein Leben schon fest verplant ist – von Familie, Dorf und Erwartungshaltungen. Der Ton ist direkt, trocken-witzig und gleichzeitig erstaunlich zärtlich in den Beobachtungen (etwa, wie „Erwachsene“ ihn ansehen oder wie Trauer im Alltag hängt). Besonders stark wirkt der Kontrast aus Alltag und Tod: Mentholstöpsel, Beethoven im Präparationsraum, „TOUCH & FEEL“-Särge – das ist makaber, aber nie nur Effekt, sondern charakterisiert Dominiks Normalität. Gleichzeitig liegt unter allem eine Sehnsucht nach Freiheit und „richtig leben“, die sich in der Band, dem Sommerfest-Auftritt und diesem stillen Trotz gegen Enge und rechte Parolen zeigt. Mit Biff/Benjamin kommt dann ein elektrischer Störimpuls in die Ordnung: fremd, interessant, unberechenbar – und plötzlich knistert da etwas, das nach Veränderung aussieht. Insgesamt: atmosphärisch dicht, klug, mit starkem Setting und einer Hauptfigur, der man gern weiter folgt.