Ein besonderes Buch

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Restsommer - Kea von Garnier
„Es ist nicht so, dass die Leute mir nicht leidtun. Jemanden zu verlieren, den man liebt, das kann einen brechen, einen richtig fertigmachen. Es ist nur so, dass ich, bevor ich mich den Rest meines Lebens nur noch mit Toten beschäftige, gern selbst richtig gelebt hätte. Und bisher, so fühlt sich das hier draußen an, Habe ich nichts erlebt. Ich existiere bloß.“
Dominik ist 16 Jahre alt, der Sohn eines Bestatters in einem kleinen niedersächsischen Dorf und lebt mit seinem Vater allein, nachdem die Mutter ausgezogen ist. In der Perspektive des Ich-Erzählers betrachtet und analysiert er sein Leben.
Als ein neuer Schüler, Benjamin, genannt Biff, kurz vor den Sommerferien in die Klasse kommt, ändert sich plötzlich Dominiks Welt.
„Er trägt ein Hemd mit Leoprint und eine viel zu hoch sitzende Hose, die aussieht, als wäre sie vor zwanzig Jahren modern gewesen. Dazu ein Paar ausgelatschte Converse und an beiden Armen jede Menge Armbänder aus schwarzem Leder. An den meisten Typen würden die Klamotten vollkommen lächerlich aussehen, aber er kann es irgendwie tragen.“
Dominik ist fasziniert von dem aufmüpfigen Biff, ihm gefällt dessen Art und gemeinsam genießen sie die Freiheit der kleinen Fluchten.
Aber es ist noch mehr, was ihn zu dem anderen Jungen hinzieht und es fällt Dominik schwer, sich einzugestehen, dass er sich verliebt hat.
Als die beiden ein aufregendes Wochenende in Berlin verleben, kann Dominik sich öffnen, aber zurück im Dorf, kehrt die Angst vor der Reaktion der Eltern sowie seiner Freundesclique zurück.
In schonungslosen, aber auch sensiblen poetischen Sätzen erleben wir die erste Liebe aus Sicht eines jungen Mannes sehr authentisch und sinnlich.
Coming-of-Age und Coming-out sind Begriffe, die diese Geschichte nicht wirklich erfassen. Es ist ein echter Leidensweg, voller Ängsten, intensiven Gefühlen und dem Wunsch nach Freiheit und Befreiung. Die beiden Protagonisten sind sehr besondere Charaktere, sie können die leichten, schönen Momente ihrer Liebe und gegenseitigen Anziehung genießen, werden aber auch immer wieder von ihren eigenen Geschichten eingeholt.
Neben dieser Liebesgeschichte werden mit großer Natürlichkeit und Selbstverständlichkeit der Tod und die Bestattungsrituale im Institut thematisiert.
Ein wirklich zauberhaftes Buch mit einer tollen Dramaturgie, die bis zum letzten Moment fesselt.
Besonders gelungen finde ich neben dieser überzeugenden Liebesgeschichte, die auch das Thema Sexualität ganz selbstverständlich aufnimmt und die passenden Metaphern für Gefühle findet, die Beschreibung von Alltagssituationen, in der kleine Momente, Geräusche, Gerüche, einfach nebenbei in die Erzählung integriert werden.
Ein besonderes Buch, das ich unbedingt allen Altersgruppen empfehlen kann.
Blessing 2026