Ein Sommer, der alles verändert

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yelson Avatar

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„Restsommer“ hat mich sehr an meine eigenen Sommer mit 16 erinnert: ICQ, Musik von Oasis, lange Tage und dieses Gefühl, dass alles möglich ist und gleichzeitig nichts sicher. Genau diese Sommergefühle werden im Buch extrem gut vermittelt. Der Lesefluss ist dabei so angenehm, dass man förmlich über die Seiten fliegt und das Buch kaum aus der Hand legen möchte.

Vom Gefühl her hat mich „Restsommer“ an Coming-of-Age-Romane wie Tschick oder Becks letzter Sommer erinnert. Auch zeitlich ist die Geschichte klar in den 2000er-Jahren verortet, was sich nicht zuletzt in der Musikauswahl widerspiegelt und viel Nostalgie erzeugt.

Wir begleiten den Protagonisten Dominik, der in Schönacker lebt und dessen Zukunft scheinbar schon feststeht: Er soll irgendwann das Bestattungsinstitut seines Vaters übernehmen. Doch Dominik ist spürbar in diese Erwartungen hineingepresst und hadert sehr damit. Als der neue Mitschüler Biff in seine Klasse kommt, ahnt Dominik noch nicht, dass ihn kein Sommer wie jeder andere erwartet, sondern einer, der alles Vorgezeichnete verändert.

Der Schreibstil von Kea von Garnier ist leicht, ruhig und dennoch kraftvoll. Selbst das Thema Tod wird nüchtern, feinfühlig und stellenweise humorvoll behandelt. Dominik verliebt sich ungeplant, gerät innerlich aus dem Gleichgewicht und beginnt, sein Leben, seine Familie und seine Zukunft zu hinterfragen. Unter dieser Zerrissenheit leidet vor allem die Beziehung zu seinem Vater und zu seinen Freunden. All das wird sehr authentisch und nahbar dargestellt, in viele Situationen konnte ich mich dadurch sehr stark hineinversetzen.

„Restsommer“ vereint viele Themen eines starken Coming-of-Age-Romans: Erwachsenwerden, erste Liebe, familiäre Erwartungen und die Frage nach dem eigenen Weg. Auch nach dem Lesen denke ich noch oft an seinen Restsommer in Schönacker zurück: »Endlich all das tun, woran ich in den vergangenen Tagen in jeder freien Minute gedacht habe. Auch wenn ich nicht einmal richtige Bilder hatte. Nur ein Flirren. Sequenzen, Ahnungen. Eine Unruhe, von der ich nicht wusste, wie ich sie besänftigen sollte.«