Feinfühliger Coming-of-Age-Roman

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walliliest Avatar

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Der 16-jährige Dominik lebt mit seinem Vater, dem örtlichen Bestatter, in der Kleinstadt Schönacker. Sie haben eine schwere Zeit hinter sich, da die Mutter die Familie für ihren Freund verlassen. Dominik geht morgens zur Schule und hängt mit seinen Freunden Tuan und Lukas an den Nachmittagen am See, im Freibad, an der Kiesgrube oder bei der Bandprobe ab. Und er hilft seinem Vater im Bestattungsinsitut beim Vorbereiten der Toten auf ihrer letzten Reise. Dominiks Leben scheint vorherbestimmt. Er soll das Institut von seinem Vater übernehmen.
"Es ist nur so, dass ich, bevor ich mich den Rest meines Lebens nur noch mit Toten beschäftige, gern selbst richtig gelebt hätte. Und bisher, so fühlt sich das hier draußen an, habe ich nichts erlebt. Ich existiere bloß", Dominik, Seite 33.
Mitten im Schuljahr zieht Benjamin, genannt Biff, mit seiner Familie von Berlin nach Schönacker. Biff hat keine Lust auf Kleinstadtmief und lässt das auch Mitschüler und Lehrer spüren. Klamotten aus den 80er Jahren, enge Hosen, freche Sprüche, Wiederworte gegen die Lehrer. Biff und Domi freunden sich an. Domi fühlt Dinge, die er noch nie gefühlt hat und die er auch nicht wahrhaben möchte. Er haut mit Biff ab nach Berlin und taucht ein in eine andere Welt. Alles scheint möglich. "Plötzlich fühlt sich die Welt an wie ein weiter Raum, erweitert um den Zauber, den Biff umgibt. (...) Dieses Wochenende ist mit Abstand das Aufregendste, was ich je erlebt habe", Dominik, S. 216.

Meinung:
Ich habe länger einen Bogen um "Restsommer" gemacht, da ich mir dachte, ich bin weder die Zielgruppe für einen Coming-of-Age-Roman noch kann ich gut mit den Themen Bestattungen und Tod umgehen. Zum Glück habe ich mich in beiden Fällen getäuscht. Dieser queere Coming-of-Age-Roman ist für jedes Alter geeignet und behandelt die Themen Tod und Bestattungen unglaublich würdevoll. Kea von Garnier schreibt über das Erwachsenwerden, den Wunsch nach Freiheit, die erste Liebe zweier Jungs und Selbstzweifel so feinfühlig und zart, dass ich öfter einen Kloß im Hals vor Rührung hatte. Das Sommerwochenende in Berlin ist so flirrend schön geschildert, dass ich die Freiheit und die Unendlichkeit der Möglichkeiten förmlich spüren konnte. Und das Buch macht Mut, trotz vieler schwerer Themen wie Depressionen, Tod, häuslicher Gewalt, Alkoholmissbrauch und Homophobie. Mut, dass mit Offenheit, Toleranz und Verständnis alles irgendwie gut werden kann und jede/r sein darf, wie er/sie möchte. Nicht nur in Schönacker, sondern überall auf der Welt.

Absolute Leseempfehlung für "Restsommer"!