Hat mich sofort neugierig gemacht

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
jenny87 Avatar

Von

„Rotwein im Blut“ von Georg Torres hat mich mit seinem ungewöhnlichen Mordfall und der besonderen Mallorca-Atmosphäre sofort neugierig gemacht. Schon der Einstieg ist alles andere als gewöhnlich: Ein Winzer wird in seinem eigenen Weinkeller ermordet und ausgerechnet der Wein, dem er sein ganzes Leben gewidmet hat, wird Teil des Verbrechens. Damit gelingt dem Autor ein sehr eindringlicher Auftakt, der direkt Fragen aufwirft und Lust darauf macht, den Fall gemeinsam mit den Ermittlern zu lösen.
Besonders gut gefallen hat mir, dass Mallorca hier nicht einfach nur als hübsche Urlaubskulisse dient. Die Insel mit ihren Bodegas, Weinbergen, kleinen Orten und unterschiedlichen Facetten wird zu einem wichtigen Bestandteil der Geschichte. Man bekommt einen Eindruck von einem Mallorca abseits der typischen Touristenorte und taucht gleichzeitig in die Welt des Weinbaus und Weinhandels ein. Diese Verbindung aus mediterraner Atmosphäre und Kriminalfall fand ich ausgesprochen gelungen.
Im Mittelpunkt der Ermittlungen stehen Inspectora Ana Banderas und ihr Kollege Donis Nuñez. Ich mochte die beiden als Ermittlerteam sehr, weil ihre Zusammenarbeit angenehm professionell und gleichzeitig menschlich wirkt. Es geht nicht darum, dass sich die Ermittler ständig gegenseitig Steine in den Weg legen, sondern darum, gemeinsam Antworten zu finden. Gerade dadurch konnte ich mich gut auf den eigentlichen Fall konzentrieren.
Und dieser Fall hat es in sich. Was zunächst wie ein außergewöhnlicher Mord aussieht, entwickelt sich immer mehr zu einem größeren Geflecht aus Geheimnissen, wirtschaftlichen Interessen und Verbindungen in der Weinwelt. Als ein weiterer Todesfall hinzukommt, wird die Sache noch rätselhafter. Die Ermittlungen führen schließlich weit über den ursprünglichen Tatort hinaus und zeigen, dass hinter der Fassade der idyllischen Weinwelt einiges verborgen liegt.
Eine interessante und moderne Ergänzung ist Sonia, eine künstliche Intelligenz, die bei den Recherchen unterstützt. Dadurch bekommt der Krimi neben der klassischen Ermittlungsarbeit noch eine aktuelle Komponente. Besonders spannend fand ich die Frage, wie weit man einer solchen technischen Unterstützung vertrauen kann und welche Möglichkeiten, aber auch welche Grenzen damit verbunden sind.
Auch der Schreibstil von Georg Torres hat mir gut gefallen. Er schreibt bildhaft und flüssig, ohne dass die Geschichte unnötig kompliziert wirkt. Die unterschiedlichen Perspektiven sorgen dafür, dass man verschiedene Seiten des Falls kennenlernt und immer wieder neue Hinweise bekommt. Dadurch bleibt die Handlung abwechslungsreich und man beginnt automatisch, selbst mitzurätseln.
Sehr gelungen finde ich außerdem die Mischung aus Spannung und Informationen. Die Einblicke in Weinbau, Bodegas und Weinhandel wirken nicht wie ein trockener Sachtext, sondern sind in die Handlung eingebunden. Dadurch habe ich beim Lesen ganz nebenbei einiges über diese Welt erfahren. Gleichzeitig bleibt der Kriminalfall im Mittelpunkt.
Was mir besonders gefallen hat, ist die Atmosphäre: Auf der einen Seite vermittelt der Roman mediterranes Lebensgefühl, warme Landschaften und die besondere Stimmung Mallorcas. Auf der anderen Seite liegt ständig eine gewisse Spannung über der Geschichte. Hinter der schönen Fassade können Geheimnisse, alte Konflikte und dunkle Machenschaften verborgen sein. Genau dieser Gegensatz macht für mich einen großen Reiz des Buches aus.
„Rotwein im Blut“ ist für mich ein gelungener Auftakt einer neuen Mallorca-Krimireihe. Der ungewöhnliche Mordfall, die sympathischen Ermittler, die Weinwelt, die wechselnden Perspektiven und die moderne KI-Komponente ergeben eine interessante Mischung. Dabei bleibt die Geschichte spannend, ohne permanent auf spektakuläre Effekte setzen zu müssen.
Mein Fazit: 5 von 5 Sternen!