Royales Schaulaufen zwischen Thron-Kalkül und Heuboden-Affäre
Was mich an solchen historischen Romanen reizt, ist normalerweise das Gefühl, wirklich in eine andere Zeit einzutauchen, mit all ihren Härten, Zwängen und gesellschaftlichen Mauern. Und genau da fängt das Buch für mich stark an, verliert sich dann aber rasant in seichten Gewässern.
May ist für mich die einzige der drei Frauen, die sich echt und greifbar anfühlt. Wenn sie da auf ihrem Stuhl am Rand des Saals sitzt und spürt, wie die Jahre verrinnen und sie wie kalter Braten links liegen gelassen wird, dann tut das weh. Ihre Bitterkeit gegenüber den wohlhabenden Verwandten und ihre klare Erkenntnis, dass Liebe im Adel ein Märchen ist und man den eigenen Verstand tunlichst verstecken muss, um nicht als Bedrohung wahrgenommen zu werden – das hat Substanz. Da blitzt echtes, historisches Drama auf.
Aber der Bruch zu den anderen beiden Figuren ist mir einfach viel zu krass. Hélène wirkt auf mich wie die klassische Reißbrett-Rebellin: Bälle sind doof, Etikette ist langweilig, ich will die weite Welt sehen – und kaum ist sie aus der Tür, wirft sie sich im Heuboden an den Hals des hübschen Kutschers. Das ist mir als Leser schlicht zu plump und vorhersehbar gestrickt. Es liest sich wie eine moderne Teenie-Romanze, der man nachträglich ein Korsett und ein viktorianisches Kleid übergestülpt hat.
Und bei Alix geht es ähnlich weiter: Sie ist das melancholische, bildschöne Porzellanpüppchen, dem der Prinz im Garten mit einer Naivität den Hof macht, die fast schon wehtut. Eddy ist dabei so austauschbar gezeichnet – der schöne, sorglose Schönling, der Politik für langweilig hält und glaubt, mit einem Lächeln gehöre ihm die Welt. Dass Alix natürlich ein furchtbares, dunkles Geheimnis mit sich herumschleppt, wird einem auch direkt mit dem Holzhammer serviert.
Mich packt so ein Stoff dann nicht richtig, weil die Sprache viel zu glatt und heutig bleibt. Es fließt zwar leicht dahin und eignet sich sicher zum schnellen Weglesen am Feierabend, aber mir fehlt der Schmutz, die echte Konsequenz und das historische Gewicht. Es bleibt ein seichtes Schaulaufen dreier Klischees vor royalem Hintergrund.
May ist für mich die einzige der drei Frauen, die sich echt und greifbar anfühlt. Wenn sie da auf ihrem Stuhl am Rand des Saals sitzt und spürt, wie die Jahre verrinnen und sie wie kalter Braten links liegen gelassen wird, dann tut das weh. Ihre Bitterkeit gegenüber den wohlhabenden Verwandten und ihre klare Erkenntnis, dass Liebe im Adel ein Märchen ist und man den eigenen Verstand tunlichst verstecken muss, um nicht als Bedrohung wahrgenommen zu werden – das hat Substanz. Da blitzt echtes, historisches Drama auf.
Aber der Bruch zu den anderen beiden Figuren ist mir einfach viel zu krass. Hélène wirkt auf mich wie die klassische Reißbrett-Rebellin: Bälle sind doof, Etikette ist langweilig, ich will die weite Welt sehen – und kaum ist sie aus der Tür, wirft sie sich im Heuboden an den Hals des hübschen Kutschers. Das ist mir als Leser schlicht zu plump und vorhersehbar gestrickt. Es liest sich wie eine moderne Teenie-Romanze, der man nachträglich ein Korsett und ein viktorianisches Kleid übergestülpt hat.
Und bei Alix geht es ähnlich weiter: Sie ist das melancholische, bildschöne Porzellanpüppchen, dem der Prinz im Garten mit einer Naivität den Hof macht, die fast schon wehtut. Eddy ist dabei so austauschbar gezeichnet – der schöne, sorglose Schönling, der Politik für langweilig hält und glaubt, mit einem Lächeln gehöre ihm die Welt. Dass Alix natürlich ein furchtbares, dunkles Geheimnis mit sich herumschleppt, wird einem auch direkt mit dem Holzhammer serviert.
Mich packt so ein Stoff dann nicht richtig, weil die Sprache viel zu glatt und heutig bleibt. Es fließt zwar leicht dahin und eignet sich sicher zum schnellen Weglesen am Feierabend, aber mir fehlt der Schmutz, die echte Konsequenz und das historische Gewicht. Es bleibt ein seichtes Schaulaufen dreier Klischees vor royalem Hintergrund.