Die wahre Gefahr lauert im Menschen

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malima94 Avatar

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Ruf der Leere war für mich ein total intensiver Thriller, der weniger auf Action setzte sondern viel mehr auf psychologischen Druck und zwischenmenschliche Abgründe. Die Ausgangssituation kennen wir alle schon aus vielen anderen Büchern oder Filmen - vielleicht sogar aus dem echten Leben, ein Wochenende mit Freunden in einer abgelegenen Waldhütte. Doch man merkt relativ früh, dass eine gewisse Spannung in der Luft liegt, die sich mit dem Auftauchen des alten Mannes schlagartig in pures Entsetzen verwandelt.

Richtig stark fand ich die Darstellung der Gruppendynamik. Unter dem extremem Druck fallen die Masken, Loyalitäten verschieben sich und moralische Grundsätze werden infrage gestellt. Parallel dazu bietet die zweite Erzählebene um Felix’ Vater einen gelungenen Kontrast. Die Suche nach dem verschwundenen Sohn und die dabei aufkommenden Erkenntnisse verleihen der Geschichte emotionale Tiefe und verhindern, dass der Roman sich ausschließlich auf das Kammerspiel im Wald beschränkt. Das bringt alles einen guten Schwung ins Buch.

Der Schreibstil von Daniel Alvarenga ist klar und flüssig, die Spannung wird im gesamten Roman kontinuierlich gesteigert. Ruf der Leere ist kein klassischer Thriller mit schnellen Schockmomenten, sondern ein Buch mit unangenehmen Fragen über Selbstschutz, Schuld und Moral. Ich kann hier eine ganz klare Empfehlung aussprechen für alle die gerne psychologische Spannung und moralisch fragwürdige Hintergründe in Romanen zu schätzen wissen.