Ein Albtraum ohne Erlösung
Mit Ruf der Leere legt Daniel Alvarenga einen beklemmenden Thriller vor, der konsequent auf psychologischen Druck statt auf klassische Schockeffekte setzt. Das geplante Hüttenwochenende von Felix, Ben und Laura gerät früh aus dem Gleichgewicht, als unerwartete Gäste und unterschwellige Konflikte die Stimmung kippen lassen. Spätestens mit dem Auftauchen des alten Mannes, der eine tödliche Entscheidung von der Gruppe verlangt, brechen moralische Fassaden zusammen. Besonders eindringlich ist die Parallelhandlung um Felix’ Vater, der sich aus Sorge um seinen verschwundenen Sohn mit dessen Leben auseinandersetzen muss und dabei verstörende Erkenntnisse gewinnt. Daniel Alvarenga schreibt nüchtern und schonungslos über Egoismus, Angst und moralische Grenzsituationen. Das offene Ende verweigert eine klare Auflösung und verstärkt die beklemmende Wirkung der Geschichte, da viele Fragen bewusst unbeantwortet bleiben. Nicht jede Entwicklung überrascht, doch Atmosphäre und Thema tragen den Roman überzeugend.