Ein spannender Blick hinter die Kulisse von Ethik und/oder Moral

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schlumeline Avatar

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Felix und Laura studieren Medizin. Sie stammen aus sehr unterschiedlichen Elternhäusern und kommen sich im Seminar ihres Dozenten Szabó „näher“. Es wird deutlich wie unterschiedlich diese beiden Menschen auf Fragestellungen nach Ethik und Moral in der Gesellschaft blicken.

Und genau diese Fragestellungen wirft hier auch der Autor Daniel Alvarenga mit seinem Buch „Ruf der Leere“ in den Raum. Er stellt sie seiner Leserschaft indirekt und nimmt jeden einzelnen Leser in diese Geschichte mit und damit auch zurück in die eigene Geschichte jedes Einzelnen. Denn beim Lesen dieses Buches wird jeder sich auch mit der Frage beschäftigen wie reagiere ich moralisch, wenn ich mich in einer Grenzsituation befinde bzw. wie denke ich, dass ich reagiere. Oder vielleicht fragt man sich sogar wie habe ich in einer solchen Situation reagiert und warum.

Obwohl schon diese Fragestellungen an sich genügend Raum für spannendes Erzählpotential bieten, setzt der Autor noch einen drauf, indem er Felix eine Wochenendparty organisieren lässt, die in einer Hütte in den Bergen spielt. Dort gibt es keinerlei Handyempfang und Felix, Laura, Felix bester Freund Ben und weitere jungen Menschen sind auf sich gestellt, als ein alter Mann dort auftaucht und sich als der Tod ausgibt. Er verkündet nur einer aus der Gruppe werde überleben und alle sollen zusammen darüber entscheiden, wer das sein wird.

Die Geschehnisse in der Hütte selbst und die Rückblicke, die deutlich machen was vorher geschah, sind sehr spannend geschildert und zeigen eindringlich, wie und wodurch Menschen beeinflusst werden können und laden dazu ein, über ethische und moralische Aspekte nachzudenken. Wie viel Wahrheit steckt in der Aussage: „Moral war ein Privileg derer, die sonst keine Sorgen hatten“?

Dieser Roman hat mich begeistert und ich habe ihn regelrecht verschlungen, doch dann kam das recht offene Ende und das war dann irgendwie so abrupt und ernüchternd zugleich, dass ich nicht wusste, was ich davon halten soll. Auch Tage nach dem Lese Ende stelle ich mir die Frage, was Daniel Alvarenga damit bezwecken wollte.

Ein guter Ansatz, eine perfekte Geschichte und ein viel zu offenes Ende für die viele Fragestellungen.

Gut und schade zugleich!

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