es bleibt ein komischer Beigeschmack
Der Roman startet mit Alltagssituationen und bietet eine gute Charakterstudie der einzelnen Personen. Mit der Zeit erhält man als Leser*in immer mehr Einblicke in das Leben der einzelnen Charaktere und erfährt ihre Ängste, ihre Sorgen und ihre dunklen Geheimnisse. Die Idee mit der abgelegenen Hütte, ohne Handyempfang, in einem geschlossenen Setting finde ich gut, so muss man sich den Fragen und Antworten der anderen stellen und kann ihnen nicht ausweichen. Auch die Fragestellung, wer es moralisch gesehen, verdient zu überleben und wer nicht und dass diese Entscheidung als Gruppenkonsens getroffen werden soll, ist spannend. Die Umsetzung dazu hat mir leider nicht ganz so gut gefallen, einerseits durch das Auftreten des alten Mannes in Vertretung für den Tod, aber auch der Schluss wurde für mich viel zu schnell abgehandelt. Genau in dem Moment, als die Wahrheiten ans Tageslicht kommen und Spannung aufgebaut wurde, wird dies so schnell wieder beendet und viele Fragen bleiben offen, viele Themen ungeklärt. Die einzelnen Hauptcharaktere beginnen sich zu öffnen, erfahren, wie sie von den anderen wahrgenommen werden, bekommen negative Dinge an den Kopf geworfen und haben kaum die Möglichkeit dies zu überdenken oder zu reagieren. Die Reaktionen darauf hätte ich ebenfalls spannend gefunden. Hier hätte man mehr Zeit und Raum einplanen sollen und einen nicht ganz so offenen Schluss wählen sollen. Somit bleibt ein komischer Beigeschmack, indem mir das Hinführen zum Ende gut gefallen hat, aber das Ende selbst nicht.