Psychologisch dichter Roman mit Schwächen

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mycloudy Avatar

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In Daniel Alvarengas neuem Roman „Der Ruf der Leere“ geht es um eine Gruppe junger Studenten,die in einer abgelegenen Hütte im Wald eine Willkommensparty für ihren aus Australien zurückgekehrten Freund Ben feiern.
Die Stimmung bei den Partygästen ist recht angespannt,allen voran beim Gastgeber Felix,der neben Ben noch seine Kommilitonin und heimliche Liebe Laura eingeladen hat.Diese wiederum hat ihren Freund Fabian und ihre Freundin Lisa im Schlepptau und auch Ben kommt nich allein,sondern ist mit dem charismatischen Australier Bill nach Deutschland gekommen und dieser wird ebenfalls zur Party mitgenommen.Als dann auch noch Felix Schwester Elena in der Hütte aufkreuzt,lockert sich ein wenig die Stimmung.
Doch diese Situation währt nur kurz und ändert sich schlagartig,als ein alter Mann in der Hütte auftaucht und der Gruppe eine grausame Entscheidung aufgibt.Bis Mitternacht soll eine Person ausgewählt werden,die den morgigen Tag erleben darf.Alle anderen werden sterben.
Diese Aufgabe bringt tiefsitzende menschliche Abgründe und moralische Fragen ans Tageslicht.Wie wird sich die Gruppe entscheiden?

Nachdem mich Daniel Alvarengas Erstlingswerk „Hundswut“ begeistert hat,bin ich mit großen Erwartungen an sein Zweitwerk herangetreten.
Leider konnte mich „Der Ruf der Leere“ diesmal nicht komplett überzeugen.
Der Roman ist spannend aufgebaut,in Rückblenden lernt der Leser den Hauptcharakter Felix kennen,in all seiner egoistischen und manipulativen Pracht und die Beziehung zu Laura wird besonders gut herausgearbeitet.
Den restlichen Charaktere wird dagegen weniger Platz eingeräumt und sie wirken dadurch etwas blass und wenig greifbar,was man auch innerhalb der Gruppendynamik in der Hütte bemerkt.
Der Schreibstil des Autors ist flüssig zu lesen und leicht verständlich,an manchen Stellen ist die Sprache sehr derb und kommt recht eigenwillig daher.
Insgesamt ist der Roman ein Pageturner,die bedrohliche Spannung baut sich von Kapitel zu Kapitel auf und man fiebert dem Ende entgegen.
Dieses Ende ist dann allerdings recht konfus und hat mich leider ratlos und unbefriedigt zurückgelassen.
Hier hätte ich mir eine schlüssige Aufklärung gewünscht;viele Fragen bleiben unbeantwortet.
Auch die Auseinandersetzung mit der Frage nach dem moralischen Kompass eines Menschen wird insgesamt recht oberflächlich behandelt.
Hier wäre bei dieser Ausgangssituation in diesem Setting deutlich mehr drin gewesen,so wurde viel Potenzial verschenkt.
Alles in allem vergebe ich 3 Sterne,da der Roman gute Ideen hat und mich zum Nachdenken angeregt hat,auch wenn er mich nicht komplett überzeugen konnte.