Wie gut ist dein moralischer Kompass geeicht?

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„Ruf der Leere“ hat meinen moralischen Kompass spürbar ins Wanken gebracht.

Im Kern geht es um zwischenmenschliche Beziehungen in all ihren Schattierungen: Loyalität, Begehren, Eifersucht, Schuld. Alvarenga nimmt diese Dynamiken und treibt sie konsequent auf die Spitze.

Die Ausgangssituation klingt zunächst fast harmlos:
Der beste Freund kehrt aus dem Auslandssemester zurück, gefeiert wird mit einer Party in einer abgelegenen Waldhütte. Doch schnell kippt die Stimmung. Die große Liebe erscheint mit neuem Partner, der Freund bringt einen völlig Fremden aus Australien mit und dann betritt ein alter Mann die Bühne, der sich als der Tod vorstellt.

Was folgt, ist keine symbolische Spielerei, sondern absolut brutal:
Nur eine Person darf überleben. Alle anderen müssen sterben.
Wen wählen sie? Und nach welchen Maßstäben?

Die Geschichte wird aus wechselnden Perspektiven der Partygäste erzählt und bewegt sich zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Gerade diese Struktur macht den Roman so wirkungsvoll. Die Figuren verstricken sich immer tiefer, alte Entscheidungen werfen lange Schatten, und jede neue Enthüllung verschiebt die moralische Gewichtung erneut.
Nichts ist eindeutig. Niemand ist komplett unschuldig.

Und genau das macht dieses Buch so spannend.

Das Ende hat mich dann endgültig überzeugt. Absolut überraschend und stark!

Fazit:
 Ein Roman, der herausfordert. Wer klare Antworten sucht, ist hier falsch. Wer bereit ist, die eigenen moralischen Maßstäbe infrage zu stellen, sollte dieses Buch lesen.