Zwischen Aufbruch und Absturz
Schon der Klappentext vermittelt ein starkes Gefühl von Stillstand und innerer Zerrissenheit. Das Cover stelle ich mir entsprechend reduziert und rau vor, vielleicht mit urbanen, grauen Motiven, die gut zu Markos Lebensgefühl zwischen Wohnblock, Leistungsdruck und Zukunftsangst passen. Es wirkt wie ein Roman, der nichts beschönigt, sondern nah an der Realität bleibt.
Der Schreibstil erscheint direkt, zeitgenössisch und emotional dicht. In der Leseprobe dürfte vor allem der innere Monolog überzeugen: Gedanken, die kreisen, Zweifel, die sich festsetzen, und das Gefühl, trotz guter Leistungen keinen Platz im System zu finden. Der Spannungsaufbau entsteht nicht durch äußere Ereignisse, sondern durch das stetige Anwachsen von Druck – bis der Punkt erreicht ist, an dem alles kippt.
Die Figuren wirken sehr glaubwürdig. Marko steht exemplarisch für eine Generation, die viel leistet und sich dennoch ausgebremst fühlt. Seine Überforderung, sein Rückzug und seine Orientierungslosigkeit sind gut nachvollziehbar. Claire verkörpert den Drang nach Freiheit und Neubeginn, aber auch die Rücksichtslosigkeit, die entstehen kann, wenn man nur noch nach vorne will. Ihr Auseinanderdriften verleiht der Geschichte eine große emotionale Wucht.
Ich erwarte einen intensiven, ehrlichen Roman über das Scheitern von Erwartungen, über körperliche und seelische Grenzerfahrungen und darüber, wie Liebe unter Druck zerbrechen – oder sich neu definieren – kann. Weiterlesen würde ich dieses Buch, weil es verspricht, eine große Liebesgeschichte zu erzählen, die nicht romantisiert, sondern weh tut und gerade dadurch lange nachhallt.