Anlauf für den Überschlag
Schon das Cover fällt durch seinen heruntergebrochenen Stil und die markante Farbkombination ins Auge – reduziert, aber wirkungsvoll, und damit passend zum Ton des Romans.
Die Schulzeit liegt hinter Marko, mit dem besten Abitur seines Jahrgangs in der Tasche – und doch zerplatzt sein Traum vom Medizinstudium. Gleichzeitig zerbricht seine Beziehung zu Claire, die nichts mehr hält in der Kleinstadt und die endlich ins „richtige Leben“ aufbrechen will. Während Marko zwischen TikTok, Selbstzweifeln und Zukunftsangst in der Tristesse seines Wohnblocks stecken bleibt, organisiert sein Vater einen scheinbaren Ausweg: ein Medizinstudium in Ungarn, finanziert mit allem, was die Familie aufbringen kann. Doch statt gemeinsam aufzubrechen, entfernen sich Marko und Claire immer weiter voneinander – bis die Kontrolle über ihr Leben endgültig ins Wanken gerät und nichts mehr bleibt, wie es war.
Nach Klapper, das ich sehr geliebt habe, gelingt Kurt Prödel erneut ein starker Coming-of-Age-Roman. Er schreibt witzig, nahbar und realistisch über die Sorgen und Herausforderungen junger Erwachsener und erweitert seinen Blick hier um Themen wie psychische und chronische Erkrankungen. Spürbar hat er sich bemüht, fachliche Aspekte sensibel und korrekt einfließen zu lassen, ohne die Erzählung zu überfrachten.
Als Lesende steigen wir unmittelbar in Markos Gefühlsachterbahn ein. Besonders gelungen ist dabei die stilistische Variationsbreite: Wenn Marko betrunken ist, überträgt sich sein Zustand sogar ins Schriftbild – eine formale Spielerei, die sehr stimmig wirkt. Auch das Aufgreifen popkultureller Phänomene lässt die Geschichte greifbar und gegenwärtig erscheinen. Wiederkehrend begegnet uns der Satz „Augen zu. Eine Sekunde warten. Augen auf.“ – ein Moment der Erdung, der nicht nur Marko, sondern auch mir beim Lesen jedes Mal kurz Ruhe gegeben hat.
Prödel hat zudem ein feines Gespür für Beziehungsgeflechte. Besonders das Verhältnis zwischen Marko und seinem Vater wirkt authentisch: Nähe, die sich schwer ausdrücken lässt, Fürsorge, die sich eher in Essen als in Worten zeigt – ein für viele vertrautes Muster der Boomer-Generation, das mich sehr abgeholt hat. Die Beziehung zu Claire war für mich zunächst weniger durchschaubar, was auch daran lag, dass ich eine aufregende, frische Lovestory erwartet hatte. Prödel zeichnet die Verbindung zwischen Claire und Marko jedoch bewusst leiser: geprägt von einer langen, tiefen Verbundenheit, großem Verständnis und gegenseitiger Wertschätzung – ohne die anfängliche Aufgeregtheit. Beide sind bereit, dem anderen in den jeweiligen Lebensplänen nicht im Weg zu stehen. Ob sie sich am Ende doch für einen gemeinsamen entscheiden, lasse ich hier offen.
Kurt Prödel erzählt von einem jungen Erwachsenen, den die Leserschaft beim Anlauf zu einem Salto begleitet – entsprechend aufregend bleibt die Frage, ob Marko den Überschlag schafft und wie seine Landung ausfällt. Besonders nachhallend blieb für mich der Satz: „Niemand hat mich gerettet, das war ich selbst“ (S. 207). Für mich ist Salto, wie schon Klapper, eine klare Empfehlung für Fans von Coming-of-Age-Romanen.
Die Schulzeit liegt hinter Marko, mit dem besten Abitur seines Jahrgangs in der Tasche – und doch zerplatzt sein Traum vom Medizinstudium. Gleichzeitig zerbricht seine Beziehung zu Claire, die nichts mehr hält in der Kleinstadt und die endlich ins „richtige Leben“ aufbrechen will. Während Marko zwischen TikTok, Selbstzweifeln und Zukunftsangst in der Tristesse seines Wohnblocks stecken bleibt, organisiert sein Vater einen scheinbaren Ausweg: ein Medizinstudium in Ungarn, finanziert mit allem, was die Familie aufbringen kann. Doch statt gemeinsam aufzubrechen, entfernen sich Marko und Claire immer weiter voneinander – bis die Kontrolle über ihr Leben endgültig ins Wanken gerät und nichts mehr bleibt, wie es war.
Nach Klapper, das ich sehr geliebt habe, gelingt Kurt Prödel erneut ein starker Coming-of-Age-Roman. Er schreibt witzig, nahbar und realistisch über die Sorgen und Herausforderungen junger Erwachsener und erweitert seinen Blick hier um Themen wie psychische und chronische Erkrankungen. Spürbar hat er sich bemüht, fachliche Aspekte sensibel und korrekt einfließen zu lassen, ohne die Erzählung zu überfrachten.
Als Lesende steigen wir unmittelbar in Markos Gefühlsachterbahn ein. Besonders gelungen ist dabei die stilistische Variationsbreite: Wenn Marko betrunken ist, überträgt sich sein Zustand sogar ins Schriftbild – eine formale Spielerei, die sehr stimmig wirkt. Auch das Aufgreifen popkultureller Phänomene lässt die Geschichte greifbar und gegenwärtig erscheinen. Wiederkehrend begegnet uns der Satz „Augen zu. Eine Sekunde warten. Augen auf.“ – ein Moment der Erdung, der nicht nur Marko, sondern auch mir beim Lesen jedes Mal kurz Ruhe gegeben hat.
Prödel hat zudem ein feines Gespür für Beziehungsgeflechte. Besonders das Verhältnis zwischen Marko und seinem Vater wirkt authentisch: Nähe, die sich schwer ausdrücken lässt, Fürsorge, die sich eher in Essen als in Worten zeigt – ein für viele vertrautes Muster der Boomer-Generation, das mich sehr abgeholt hat. Die Beziehung zu Claire war für mich zunächst weniger durchschaubar, was auch daran lag, dass ich eine aufregende, frische Lovestory erwartet hatte. Prödel zeichnet die Verbindung zwischen Claire und Marko jedoch bewusst leiser: geprägt von einer langen, tiefen Verbundenheit, großem Verständnis und gegenseitiger Wertschätzung – ohne die anfängliche Aufgeregtheit. Beide sind bereit, dem anderen in den jeweiligen Lebensplänen nicht im Weg zu stehen. Ob sie sich am Ende doch für einen gemeinsamen entscheiden, lasse ich hier offen.
Kurt Prödel erzählt von einem jungen Erwachsenen, den die Leserschaft beim Anlauf zu einem Salto begleitet – entsprechend aufregend bleibt die Frage, ob Marko den Überschlag schafft und wie seine Landung ausfällt. Besonders nachhallend blieb für mich der Satz: „Niemand hat mich gerettet, das war ich selbst“ (S. 207). Für mich ist Salto, wie schon Klapper, eine klare Empfehlung für Fans von Coming-of-Age-Romanen.