Das Leben ist kein Picknick
Normalerweise fühle ich mich mit Ende 50 zu alt für „Coming-of-Age“ Romane, doch der Klappentext hat mich sofort angesprochen, somit bin ich dieses Wagnis eingegangen. Um es gleich vorweg zu nehmen, es hat sich gelohnt. Ich habe mich für die Hörbuchfassung entschieden und zu Beginn musste ich mich an den Sprecher gewöhnen, doch je länger ich hörte, desto passender erschien er mir für diese Geschichte und am Ende kann ich sagen, er ist die perfekte Wahl. Die Geschichte beginnt mit dem erworbenen Abitur von Marko und Claire, die beiden sind schon seit vielen Jahren ein Paar. Claire kommt aus einem gut situierten Elternhaus, Markos Eltern sind keine Akademiker. Claire wird in München studieren. Marko hofft auf einen Studienplatz der Medizin, dies hat er seiner verstorbenen Mutter versprochen. Und am besten in München. Leider erhält Marko nur Absagen von deutschen Unis. Der Studientraum schein zu platzten, aber Markos Vater findet eine Möglichkeit, um Marko ein Studium in Ungarn zu finanzieren. Daraufhin beenden Marko und Claire einvernehmlich ihre Beziehung, denn eine Fernbeziehung trauen sie sich nicht zu. Das erste Studienjahr läuft nicht rund für die beiden, gesundheitliche Probleme bremsen beide aus. Dieser Umstand bringt die beiden wieder näher zueinander und jeder passt nun auf den anderen auf. 6 Stunden und 20 Minuten beträgt die Spieldauer dieses Hörbuchs und intensiver kann man nicht am Leben einer Romanfigur teilhaben. Sofort stellte sich bei mir eine Nähe zu Marko ein, Dank der detaillierten Beschreibungen konnte ich mir alles sehr gut vorstellen und ich habe regelrecht mitgelitten und viele berührende Momente taten sich auf. Einige Dinge erinnerten mich an die Studiensituationen meiner Töchter, insofern kann ich nur bestätigen, mehr Authentizität geht nicht. Die Sprache, die Ansichten, das Verhalten, alles erscheint mir absolut altersgerecht. Hinzu diese kurzen, schnörkellosen Sätze, die diese Menschlichkeit absolut gut abbilden. Der Autor trifft genau den richtigen Ton und er ist ein guter Beobachter der Jugend. Ich bin froh, dass ich mich an dieses Genre gewagt habe und ich weiß, dieser Roman wird noch lange in mir nachhallen. Sehr gerne spreche ich eine Weiterempfehlung aus.