Das Leben passiert, während man andere Pläne macht!

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buecherseipi Avatar

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„… und ich denke, ich wäre gern der Algorithmus, denn dann wüsste ich, wie es bei mir weitergeht.“ (S. 32)

Was macht man, wenn plötzlich das Leben, das man sich immer vorgestellt hat, nicht mehr funktioniert? Wenn Pläne scheitern und man gezwungen ist, einen ganz anderen Weg einzuschlagen?

Marko steht eigentlich kurz davor, ins Erwachsenenleben zu starten. Einser-Abi in der Tasche, der Plan ist ein Medizinstudium, am besten in München bei seiner Freundin Claire. Klingt erstmal ziemlich geradlinig. Blöd nur, dass auf seine Bewerbungen ausschließlich Absagen kommen. Damit hat er definitiv nicht gerechnet.

Am Ende landet er für sein Studium in Budapest. Eine Stadt, die er nicht kennt, weit weg von seinem Vater und seiner Freundin Claire. Plötzlich fühlt sich alles neu und irgendwie auch ziemlich fremd an. Und während Marko versucht, in diesem neuen Leben anzukommen, merkt er nach und nach, dass Dinge im echten Leben selten so laufen wie geplant.

„Gedanken sind ja wie Wolken. Steht jedenfalls so im Kalender. Man kann sie nicht ignorieren, man muss sie denken. Schiebt man sie weg, kehren sie zurück und manchmal sind sie dann grau. Oder schwarz. Manchmal verregnen sie einem den Tag. Manchmal blitzen sie so grell, dass man nichts anderes mehr sehen und denken kann. Und dann wünscht man sich, man hätte sie gedacht, als sie noch klein und zutraulich waren.“ (S. 90)
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„Salto“ erzählt vom Erwachsenwerden, von Zukunftsangst, Orientierungslosigkeit und diesem seltsamen Gefühl, wenn man merkt, dass der eigene Plan vielleicht doch nicht der richtige war. Es geht um das Loslassen von Träumen, damit etwas Neues entstehen kann und um die Auseinandersetzung mit Widrigkeiten.

Besonders toll fand ich, wie unaufgeregt Kurt Prödel diese Geschichte erzählt. Die Sprache ist schnörkellos, aber voller kluger Beobachtungen. Und die Figuren, allen voran Marko, sein Vater und Claire, sind mir schnell ans Herz gewachsen.
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Auf den 265 Seiten passiert einiges, ohne dass sich der Roman jemals überladen anfühlt. Der Schreibstil ist so flüssig, dass ich nullkommanix durchs Buch war.

Für mich ist „Salto“ ein authentischer Coming-Of-Age-Roman, der gleichzeitig leicht zu lesen und dabei ziemlich berührend ist. Ich freu mich, dass Kurt Prödels erster Roman „Klapper“ noch ungelesen hier liegt und ich mich drauf freuen kann 😊