Feinfühlig und authentisch

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Mit Salto gelingt Kurt Prödel ein bemerkenswert feinfühliger Roman über Identität, Zugehörigkeit und das Gefühl, im eigenen Leben irgendwie daneben zu stehen. Die Geschichte kreist um einen Protagonisten, der sich zwischen digitaler Welt, Vergangenheit und realen Beziehungen verliert – und dabei versucht, seinen Platz im Leben zu finden.
Der Stil ist dabei gleichzeitig nüchtern und poetisch. Er beschreibt Emotionen nicht übermäßig ausschweifend, sondern oft in beiläufigen, fast schon spröden Beobachtungen, die gerade dadurch eine grosse Wirkung entfalten. Besonders gelungen ist, wie er die Atmosphäre von Online-Communities und Internetkultur einfängt, ohne ins Klischeehafte abzurutschen. Stattdessen entsteht ein authentisches Bild einer Generation, die zwischen Memes, Einsamkeit und der Suche nach echter Verbindung pendelt.
Thematisch überzeugt Salto vor allem durch seine leise, aber eindringliche Auseinandersetzung mit Selbstzweifeln, mentaler Gesundheit und dem Wunsch nach Veränderung.
Nicht jeder wird sich sofort mit dem eher zurückhaltenden Erzähltempo anfreunden können, und manche Passagen wirken bewusst fragmentarisch. Doch genau darin liegt auch die Stärke des Romans: Er fühlt sich echt an, ungeschönt und nahbar.
Insgesamt ist Salto ein stilles, kluges Buch, das lange nachhallt und sehr feinfühlig ist, ich kann es wie den Vorgänger Klapper sehr empfehlen!