Generation vielleicht

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Der Roman Salto von Kurt Prödel hat sich für mich angefühlt wie ein Blick in dieses seltsame Vakuum zwischen „Endlich frei!“ und „Oh, verdammt, was jetzt?“. Marko steht genau dort: Abi geschafft, großer Plan im Kopf — Medizin! — und dann kommt die Realität und sagt erst mal: nope. Also Ausland, Neuanfang, neues Kapitel. Nur dass sich das Leben dort nicht wie ein spannendes Abenteuer anfühlt, sondern eher wie ein endloser Dienstag. Dieses leise Treibenlassen, die Frage, ob Erwachsensein wirklich so unspektakulär ist, zieht sich spürbar durch die Geschichte.

Was ich besonders mochte, ist, wie treffend das Buch dieses Lebensgefühl einfängt: viel Nachdenken, wenig Pathos, Emotionen eher auf Sparflamme — und zwischendrin das reflexhafte Scrollen, als könnte die nächste Minute auf dem Handy plötzlich Sinn stiften. Das ist manchmal fast schon ironisch komisch, weil man sich ertappt fühlt. Die angekündigte Liebesgeschichte? Die ist da, aber eher wie ein Nebenplot, der freundlich winkt, während das eigentliche Drama die Selbstsuche bleibt.

Stilistisch liest sich das alles angenehm schnell, fast wie ein Gedankenstrom ohne große Umwege. Manchmal hätte ich mir gewünscht, noch ein bisschen tiefer einzutauchen, mehr zu fühlen statt nur zu beobachten — aber vielleicht passt genau diese leichte emotionale Distanz ja auch zum Thema.

Am Ende bleibt für mich vor allem diese tröstliche, unaufgeregte Botschaft hängen: Pläne platzen, Wege verlaufen sich, und trotzdem geht das Leben weiter — nicht immer spektakulär, aber beharrlich. „Salto“ ist kein lauter Roman, eher ein leises Schulterzucken mit Herz und einem kleinen Augenzwinkern.