Gut
Kurt Prödels „Salto“ ist ein bemerkenswert eigenwilliges Werk, das sich konsequent gängigen Genregrenzen entzieht. Der Roman besticht vor allem durch seinen präzisen, fast schon klinischen Blick auf die Absurditäten des modernen Alltags. Prödel nutzt seine Erfahrung mit visueller Ästhetik, um Szenen zu entwerfen, die im Kopf des Lesers wie ein Arthouse-Film ablaufen – kühl, distanziert, aber dennoch faszinierend.
Die Sprache ist reduziert und direkt, was der Erzählung eine angenehme Klarheit verleiht. Es ist kein Buch für Freunde klassischer Spannungsbögen, sondern eher eine kluge Beobachtungsstudie. Wer Freude an melancholischer Ironie und einem sezierenden Blick auf die Gesellschaft hat, wird hier bestens bedient. Ein lesenswerter, unaufgeregter Roman, der nachhallt, ohne laut zu sein. Ein solider Geheimtipp für Fans moderner Gegenwartsliteratur.