Schwermütig und bedrückend

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„Wenn man traurig ist, braucht man manchmal jemanden, der einfach nur nickt.“

Der Roman "Salto" von Kurt Prödel (ich schätze, er ist fünfunddreißig) erzählt von Marko Meyer, der nach dem Abitur eigentlich Medizin studieren möchte - dessen gute Noten dafür dann aber überraschend nicht ausreichen. Sein Vater versucht, ihm durch die Finanzierung eines Medizinstudiums in Ungarn eine neue Perspektive zu bieten.
Während viele seiner Mitschüler klare Pläne haben, gerät Marko zunehmend unter Druck, eine Entscheidung für seine Zukunft zu treffen. Auch seine Freundin Claire ist fest entschlossen, die Kleinstadt hinter sich zu lassen. Marko hingegen verliert sich zunehmend zwischen Zukunftsängsten und Alltagsroutine und versucht verzweifelt herauszufinden, wer er eigentlich sein möchte.

Vom Schreibstil her liest sich das Buch angenehm schnell: Die Sprache ist schlicht und nah an den Gedanken der Figuren, fast wie ein innerer Monolog. Stellenweise hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht, um emotional stärker in die Geschichte eintauchen zu können.

Alle Hauptprotagonisten sind durchweg interessant angelegt. Besonders überzeugt hat mich dabei Markos Vater Frank: Er wirkt einerseits distanziert und oft schwer greifbar, gleichzeitig aber auf eine leise Weise sensibel. Auch Marko selbst und Claire wirken glaubwürdig, sodass man sich gut in ihre Situation hineinversetzen kann.

Im Verlauf der Handlung hat mich die Geschichte dann zunehmend weniger gepackt. Irgendetwas fehlt – und insgesamt bleibt der Roman hinter seinen Möglichkeiten zurück.
Hinzu kommt die ungeheuer schwere, melancholische, stellenweise fast schon trostlose und deprimierende Grundstimmung. Diese zieht sich durch große Teile des Buches und kann den Leser regelrecht mit nach unten ziehen – zurück bleibt ein Gefühl von Schwermut und Hoffnungslosigkeit. Das passt zwar zum Thema, wirkt aber ziemlich bedrückend und macht das Buch alles andere als zu einer leichten Lektüre.
Da ist es mir sogar schwergefallen, wirklich Freude am Lesen zu entwickeln.

Letztendlich ist „Salto“ für mich ein
Roman mit guten Ansätzen, der aber konsequent auf Melancholie setzt – und mich dabei leider mehr runtergezogen als berührt hat. Es ist ein anspruchsvolles Buch, das mich aber deutlich weniger begeistert hat als "Klapper".

Augen zu.
Eine Sekunde warten.
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