Starke Gegenwartsliteratur

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funnyfuy Avatar

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Was mich am meisten überzeugt, ist der Ton. Kurt Prödel schreibt modern und sehr zugänglich, ohne auf Jugendsprache als Effekt zu setzen. Die Sätze können kurz und sprunghaft sein und tragen schnell erzählend durch die Geschichte. Der Text ist gleichzeitig locker im Rhythmus und feinfühlig in den Details: Er kann witzig beobachten, ohne die Figuren lächerlich zu machen, und er bleibt ernst, ohne groß pathos. Dazu kommt, dass die Zeitsprünge und Verschiebungen nicht wie „Trick“ wirken, sondern wie eine passende Form für einen Zustand, in dem Gedanken und Realität nicht sauber hintereinanderlaufen.

Die Figuren sind ein weiterer Grund für die fünf Sterne. Marko und Claire sind nicht so zwanghaft „sympathisch geschrieben“, sondern menschlich, beide! Also nicht "Haupt" / "Nebenfigur" oder flaches Projizieren. Ich habe vorher schon „Klapper“ gelesen, und genau das hat für mich den Vergleich interessant gemacht: Auch dort ist Prödels Stärke diese Mischung aus unmittelbarer Nähe zur Figur und einer sehr klaren, unaufdringlichen Genauigkeit im Erzählen. Bei „Salto“ wirkt das noch einmal konzentrierter auf die Schwelle ins Erwachsenenleben und den Kontrollverlust, wenn ein Plan nicht aufgeht.

Am Ende bleibt ein Gefühl, das ich bei guter Gegenwartsliteratur selten so deutlich habe: getroffen, ein bisschen ratlos, und trotzdem zufrieden, weil der Roman nicht so tut, als ließe sich alles sauber auflösen. Für mich: ein starkes, ehrliches Buch mit echter Fallhöhe – klar 5 Sterne.