Wenn Bücher Menschen zusammenbringen

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coni90 Avatar

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Schon nach den ersten Seiten von „Schascha und der Buchspazierer“ war ich ganz verzaubert. Die wunderschönen Illustrationen, die den Text begleiten, und die tolle Qualität der Buchseiten haben alleine schon dafür gesorgt, dass das Buch richtig Freude in den Händen macht. Aber auch inhaltlich hat mich die Geschichte vollkommen abgeholt. Es fühlte sich für mich beim Lesen einfach unglaublich heimelig an.

Ich kannte den ursprünglichen Roman „Der Buchspazierer“ bisher nicht und wusste auch nur, dass es davon bereits eine Geschichte für Erwachsene und einen Film gibt. Deshalb hatte ich den Titel zunächst tatsächlich etwas anders interpretiert und mir vorgestellt, dass die Figuren vielleicht auf besondere Weise in Bücher hineinspazieren könnten. Umso schöner fand ich dann die Idee hinter dem Buchspazierer: der Buchhändler Carl bringt Bücher zu den Menschen und macht sich damit auf seine ganz eigenen Spaziergänge durch die Stadt. Dabei wird er von der 9-Jährigen Schascha beobachtet. Klar, dass ein Mann, der mit Büchern durch die Gegend läuft, ein Buchspazierer sein muss!

Schascha ist quirlig, aufgeweckt, schlagfertig und gleichzeitig unglaublich feinfühlig, aber auch ein bisschen einsam. Sie beobachtet ihre Umgebung ganz genau und nimmt Dinge wahr, die vielen Erwachsenen entgehen. Sie kann Menschen regelrecht „lesen“ und entdeckt hinter ihren Fassaden, was sie beschäftigt. Mit ihrer direkten Art freundet sie sich nach und nach mit Carl an. Fortan begleitet Schascha ihn auf seinen Buch-Spaziergängen und so begegnen wir den KundInnen, die Carl nach Klassikern benannt hat, weil er sich deren echte Namen so schlecht merken kann. Darunter unter anderem Effi Briest und Mr. Darcy – und wer die entsprechenden Klassiker kennt, kann vielleicht schon ein wenig erahnen, mit welchen Schwierigkeiten die Figuren zu kämpfen haben. Immer wieder spielte die Liebe zu Büchern eine zentrale Rolle und bei den vielen kleinen Bezügen zu anderen Büchern ließen mir als Bücherwurm beim Lesen das Herz aufgehen!

In meinen Augen ist die Geschichte gut geeignet, um Kindern verschiedene Bücher und Figuren näherzubringen. Die Bezüge wurden kindgerecht erklärt und ganz selbstverständlich in die Handlung eingebunden. Gleichzeitig mochte ich sehr, dass auch Wörter verwendet wurden, die vielleicht nicht unbedingt zum alltäglichen Sprachgebrauch von Kindern gehören. Ihre Bedeutung ergab sich oft aus dem Zusammenhang oder wurde ganz unaufdringlich erklärt. Das empfand ich als sehr angenehm gemacht.

Besonders berührt hat mich aber die Warmherzigkeit der Geschichte. Schascha und später auch Carl bringen mit ihren Büchern kleine Veränderungen ins Leben anderer Menschen. Jeder hat sein eigenes Päckchen zu tragen und hin und wieder braucht es gar nicht viel, um einen Menschen zu erreichen - manchmal eben nur das richtige Buch zur richtigen Zeit. ;) dabei ging die Geschichte wirklich sehr behutsam mit ihren Figuren und ihren Problemen um.

Auch ernstere Themen spielten im Handlungsverlauf eine Rolle, allerdings ohne dass der positive Grundton der Geschichte verloren ging. An manchen Stellen habe ich mich allerdings gefragt, ob einzelne Situationen für die Zielgruppe ab 9 Jahren nicht etwas schwer sind bzw. einer etwas klareren Einordnung bedurft hätten. Gerade Gewalt und häusliche Gewalt werden zwar sehr sanft dargestellt, sind aber per se trotzdem nicht leicht und hier bedarf es sicherlich individuelle Einschätzung der Eltern, ob das jeweilige Kind das schon gut verarbeiten kann.

Ich selbst habe mich als Erwachsene beim Lesen aber unglaublich wohlgefühlt. Ich habe mit Schascha mitgefiebert, mich über ihre quirlige Art gefreut, Carl immer mehr ins Herz geschlossen und mich von der Liebe zu Büchern begeistern lassen. Zudem fand ich sehr schön, wie sich im Laufe der Geschichte immer mehr Verbindungen zwischen den Menschen ergaben.

Fazit: „Schascha und der Buchspazierer“ ist für mich ein bezauberndes, warmherziges Kinderbuch über Bücher, Freundschaft, Mut und darüber, genauer hinzusehen. Ein Buch, das sich für mich beim Lesen ein bisschen wie eine Umarmung angefühlt hat, und ich deshalb äußerst gerne weiterempfehle.