Solide, aber nicht überwältigend

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hanninanni103 Avatar

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Ich habe „Schattenmädchen“ von Sofia Skybäck gelesen und war am Anfang ehrlich gesagt nicht sofort komplett gefesselt. Es startet eher ruhig und ich musste erstmal reinkommen. Es ist kein Thriller, der dich direkt mit Action überrollt, sondern eher einer, der sich langsam aufbaut. Das fand ich einerseits gut, weil die Stimmung dadurch sehr dicht wird, andererseits hätte es für mich zwischendurch etwas schneller gehen dürfen.
Was ich stark fand, war diese durchgehend düstere Atmosphäre. Man merkt einfach, dass irgendwas nicht stimmt. Es liegt ständig etwas in der Luft. Die Geschichte fühlt sich schwer an, aber nicht übertrieben dramatisch. Es geht viel um Vergangenheit, Schuld und Dinge, die nicht verarbeitet wurden. Das fand ich interessant, weil es nicht nur um einen Fall geht, sondern auch darum, was Menschen innerlich mit sich herumtragen.
Manchmal war es mir allerdings etwas zu ruhig. Es passiert viel im Kopf der Figuren, es wird viel nachgedacht und reflektiert. Das ist zwar psychologisch spannend, aber ich habe gemerkt, dass ich zwischendurch das Gefühl hatte, es dreht sich ein bisschen im Kreis. Manche Gedanken wurden mehrfach durchgekaut. Da hätte man kürzen können.
Die Hauptfigur fand ich insgesamt gut dargestellt. Ihre Unsicherheiten und inneren Konflikte wirkten glaubwürdig. Ich konnte verstehen, warum sie so handelt, auch wenn ich nicht jede Entscheidung gut fand. Bei den Nebenfiguren hatte ich dagegen teilweise das Gefühl, dass sie eher Mittel zum Zweck sind. Sie waren da, um die Handlung voranzubringen, aber nicht alle hatten wirklich Tiefe.
Was ich mochte, war, dass nicht alles schwarz oder weiß ist. Niemand ist komplett gut oder komplett böse. Das macht die Geschichte realistischer, aber auch anstrengender. Man bekommt keine einfachen Antworten. Das Ende war für mich schlüssig, aber kein riesiger Schockmoment. Ich war nicht völlig überrascht, eher so: „Okay, das passt.“ Es ist kein Plot-Twist, der einen komplett umhaut.
Sprachlich ist das Buch eher nüchtern geschrieben. Das passt zur Stimmung, aber ich hatte dadurch manchmal etwas Distanz. Ich war interessiert, aber emotional nicht komplett drin. Ich habe mitgedacht, aber nicht richtig mitgelitten. Vielleicht war das auch Absicht, aber mir hat stellenweise ein bisschen mehr Intensität gefehlt.
Insgesamt würde ich sagen: Es ist ein solides Buch, besonders wenn man psychologische Spannung mag und nicht nur schnelle Action sucht. Man muss sich darauf einlassen, dass es langsam erzählt wird und viel über innere Prozesse läuft. Wenn man das weiß, funktioniert es gut. Wenn man einen klassischen Thriller erwartet, könnte man enttäuscht sein.
Für mich war es gut, aber nicht überragend. Es bleibt im Kopf, vor allem wegen der Atmosphäre, aber es hat mich nicht komplett umgehauen. Ich würde es weiterempfehlen – aber eher an Leute, die ruhigere, tiefere Spannung mögen und keine durchgehende Hochspannung brauchen.